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Dormagen: "Schluckspecht": Die neue Brauerei der Stadt

Dormagen : "Schluckspecht": Die neue Brauerei der Stadt

Vor wenigen Tagen hat Volker Stüttgen mit seiner Frau Eyleen in Delhoven eine Brauerei eröffnet - die erste seit dem Aus von "Garde".

Bei herrlichen, sommerlichen Temperaturen ein kühles Bier in einem lauschigen Hof genießen, in der Gewissheit, dabei ein naturreines Produkt in Händen zu halten - dieses Ziel peilt Volker Stüttgen an. Der gebürtige Dormagener hat Ende März unter dem Namen "Schluckspecht" eine Micro-Brauerei gegründet. Er setzt damit nach langer Pause die Tradition der Brauhäuser in Dormagen fort, die um die Jahrtausendwende mit dem Brauhaus Garde zu Ende ging. Zuvor hatte jahrzehntelang die Dormagener Actien-Brauerei für lokales Bier gestanden. Jetzt also heimisches Bier aus Delhoven.

Der 34 Jahre alte Stüttgen erfüllt sich einen langgehegten Traum. Als Braumeister weiß er, welche Zutaten ein qualitätsvolles Bier haben muss, und das will er mit "Stütti's Alt", "Stütti's Pils", "Stütti's Kess" sowie "Stütti's Weizen" abliefern. In den Räumen der ehemaligen Bäckerei Lenzen an der Hauptstraße 57 geht es zwar jetzt auch um Hefe, aber statt Brot und Teilchen eben um Kölsch, Pils und Alt als Ergebnis dessen, was der Braumeister in den kleinen Sudkesseln zubereitet. Warum Dormagen und nicht das hippe Köln? "Dormagen hat keine eigene Brauerei mehr, und in Bayern, wo wir gern sind, steht die Brauerei neben der Kirche." Stüttgen bleibt vorsichtig, daher spielten die notwendigen Investitionen in das Lokal und in die Ausstattung sowie die Miete eine wichtige Rolle. Denn sollte das "Familienprojekt", wie er es nennt, scheitern, "dann bliebe am Ende nur ein kleines Rest-Minus". Er will erst schauen, wie sein Geschäft läuft. Daher sind beide noch voll berufstätig: Stüttgen ist Produktionsleiter bei der Haaner Felsenquelle, die Mineralwasser herstellt, seine Frau Eyleen ist in der Verwaltung einer Zahnarztpraxis tätig. Für Marketing, Internet-Auftritt, Buchhaltung, Etikettierung ist sie zuständig.

Mit 16 Jahren hat Volker Stüttgen bei Früh-Kölsch in Köln-Fühlingen eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer begonnen. Danach war er zehn Jahre lang bei der Eichner Brauerei im Siegerland tätig, die "später von Krombacher dichtgemacht wurde". In der Zeit machte er in Kulmbach seinen Abschluss als Braumeister. Weitere Stationen in Kaiserslautern sowie in der Malzmühle Köln ("Mühlen-Kölsch") folgten. Jetzt der Versuch, mit eigenem Bier einen Akzent zu setzen. "Der Trend zu regionalen Produkten hilft uns sicherlich", sagt Stüttgen, der mit Frau und der 13 Monate alten Feena in Nievenheim wohnt. Dort hat der Getränkehandel Kropp "Stütti's" Bier ins Sortiment aufgenommen. Das hilft. Ebenso wie der verabredete Auftritt bei der Dormagener Biermeile Ende Juli auf der Dormagener Schützenwiese.

1. FC-Köln-Fan Stüttgen trinkt natürlich selbst gerne ein Glas Bier, "bei der Sorte bin ich sehr offen: Alles was schmeckt". Seinen eigenen Gerstensaft bezeichnet er als "würzig und aromatisch, mit Naturhopfen gebraut" und damit unverwechselbarer als Produkte der Großkonzerne, sagt er. Nach den ersten Erfahrungen ist sein "Kess", ein Kölsch, in der Kunden-Gunst weit vorne, angesichts der Nähe zu Köln wenig verwunderlich.

(schum)