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Dormagen/Neuss/Düsseldorf: Schlachthof-Prozess vor Urteil

Dormagen/Neuss/Düsseldorf : Schlachthof-Prozess vor Urteil

Am 9. Dezember soll das Urteil im Prozess um Schwarzarbeit in Schlachthöfen gesprochen werden. Geständnisse hatten das Verfahren vor dem Düsseldorfer Landgericht beschleunigt. Axel H. drohen fünfeinhalb Jahre Haft.

Am Düsseldorfer Landgericht steht der Prozess um Schwarzarbeit in vielen deutschen Schlachthöfen offenbar bereits vor dem Ende. Wie ein Gerichtssprecher auf NGZ-Anfrage mitteilte, seien für den Verhandlungstag am 8. Dezember schon die Plädoyers geplant. Das Urteil soll einen Tag später verkündet werden. Ursprünglich hatte es geheißen, der Prozess werde frühestens Ende Januar zu Ende gehen.

Hauptangeklagter im Verfahren ist der 47-jährige Axel H. aus Neuss. Er soll mit einem Firmengeflecht von Dormagen aus operiert und gemeinsam mit sieben Mitangeklagten Steuern und Abgaben in Höhe von 14 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust haben. Der Dormagener Firmenchef hatte seine Geschäftsadresse in der Innenstadt "Unter den Hecken".

Er hat im Prozess ein Geständnis abgelegt und dadurch entscheidend dazu beigetragen, dass das Verfahren erheblich verkürzt werden konnte. So hatte der 47-jährige eingeräumt, bis zu 1000 rumänische Leiharbeiter als Scheinselbstständige angestellt und an Schlachthöfen in ganz Deutschland eingesetzt zu haben. Über Jahre hinweg habe er weder die entsprechenden Steuern noch Sozialversicherungsabgaben gezahlt. Vielmehr seien die rumänischen Arbeiter mit Bargeld entlohnt worden. Das Geld hätten er und die Mitangeklagten in einem großen Metallschrank aufbewahrt. "Hier haben wir große Mengen Geld gehortet", so Axel H. im Prozess.

Er selbst hat keine Berufsausbildung, der 47-jährige Pferdeliebhaber hatte als Schlachter in einer Kolonne begonnen und sich später nach eigenen Angaben "hochgearbeitet". Letztlich habe er das Unternehmen übernommen und mit den Betrügereien begonnen.

Polizei und Steuerfahndung hatten die Machenschaften des Neussers und seiner mutmaßlichen Komplizen im Mai 2006 aufgedeckt. Damals hatten mehr als 500 Ermittler im Rahmen einer bundesweiten Razzia Firmenräume, Schlachthöfe und Wohnungen durchsucht. Nach jahrelangen Ermittlungen war Axel H. Anfang 2010 festgenommen worden. Er sitzt in Untersuchungshaft. Im Gefängnis wird er wohl auch nach dem Urteil bleiben.

Die zuständige Richterin Brigitte Koppenhöfer hatte den Angeklagten im Gegenzug für Geständnisse Haftstrafen zwischen einem Jahr und acht Monaten sowie fünfeinhalb Jahren zugesagt. Als Hauptangeklagter und Drahtzieher im Verfahren muss Axel H. mit fünfeinhalb Jahren Gefängnis rechnen. "Ich habe von meinen Einnahmen lange Zeit äußerst gut gelebt", hatte der Neusser im Verfahren eingeräumt. Damit ist es nun vorerst vorbei.

(NGZ)