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Dormagen: Schäden durch Abrissarbeiten?

Dormagen : Schäden durch Abrissarbeiten?

Anwohner des Zuckerfabrikareals haben Anwälte eingeschaltet, weil sie Risse in ihren Häusern auf den Abbruch der Industrieanlagen zurückführen. Gutachter des zuständigen Unternehmens bestreiten einen Zusammenhang.

Für die einen ist es die größte Chance der vergangenen Jahre zur Weiterentwicklung der Innenstadt, für die anderen das Ende einer industriegeschichtlichen Ära — und für wieder andere ein Grund für schlaflose Nächte: Auf dem Zuckerfabrikgelände soll ein Fachmarktzentrum entstehen, deshalb wurden monatelang die alten Fabrikanlagen auf dem Areal abgerissen. Arbeiten, die Spuren hinterlassen haben.

Anwohner, die bereits kurz nach Beginn des Abbruchs wegen starker Erschütterungen Sorgen um ihre Häuser geäußert hatten, klagen jetzt über zum Teil massive Schäden in der Gebäudesubstanz. Weil Gutachter einen Zusammenhang mit den Abrissarbeiten bestreiten, haben sie Anwälte eingeschaltet, um den Streit notfalls vor Gericht klären zu lassen.

Andrea Maul, die an der Ecke Frankenstraße/Jussenhovener Straße und damit direkt gegenüber des alten Kamins wohnt, hatte die ersten Mängel bereits vor einem Jahr, am 11, November, angezeigt. "Im Badezimmer waren etliche Fliesen gerissen, später kam ein Rohrbruch hinzu", sagt sie. Auf der Rückseite des alten Hauses aus den 20er-Jahren, das 1999 komplett saniert worden war, hätten sich Rissen gebildet.

Ein von der Gegenseite geschickter Gutachter habe jedoch erklärt, diese Schäden seien nicht durch die Abrissarbeiten entstanden. "Also hat unsere Versicherung einen eigenen Gutachter eingeschaltet", berichtet Maul. Parallel habe sie einem Anwalt die Unterlagen übergeben. Das Bad sei mittlerweile auf eigene Kosten repariert worden. "Das konnte nicht über Monate so bleiben, aber die Summe von über 6000 Euro fordern wir zurück", sagt die Dormagenerin.

Schon im Herbst des vergangenen Jahres gehörte Irina Kueppers-Buhn, Anwohnerin der Jussenhovener Straße, zu den Nachbarn der Zuckerfabrik, die den Abriss kritisch verfolgten. "Schon damals hatten sich Risse in unserer Garage gebildet", sagt sie. Einmal habe sie sogar die Polizei gerufen, die die Baustelle für kurze Zeit still gelegt habe.

Nachdem ein Gutachter jedoch versichert habe, für das Gebäude bestehe keine Gefahr, sei weiter gearbeitet worden. Die Folge: "Das Parkett in unserer Wohnung ist abgesackt, und es haben sich Spalten in der Decke gebildet", berichtet Kueppers-Buhn. Die lapidare Reaktion eines weiteren Gutachters sei gewesen, das sei in einem Erdbebengebiet wie dem hier im Rheinland schon einmal möglich. Auch Kueppers-Buhn hat jetzt einen Anwalt beauftragt.

"Ich habe keine Rechtsschutzversicherung, das kann ich mir nicht leisten", sagt hingegen Horst Ebert, Anwohner des Höhenbergs. Dabei wisse er ganz genau, dass die Risse in der Rückwand der Garage vor der Sprengung des Kamins nicht da gewesen seien. "An dem Samstag, als der Kamin fiel, hat das Haus so gewackelt, dass ich Angst hatte — und danach war auch ein S-förmiger Riss in der Verbindung zum Nachbarhaus erkennbar", sagt er. "Aber wie soll ich das beweisen?"

"Die Eigentümer der Häuser können sich an uns wenden, wir leiten die Beschwerden dann an das Abbruchunternehmen weiter", erklärt Ulrike Schmitz, Sprecherin des Investors Redos das Vorgehen. Bei der GL-Abbruch GmbH in Stuttgart ist ebenfalls Weiterleitung das Prinzip. "Damit beschäftigt sich unsere Versicherung", sagt der kaufmännische Geschäftsführer Klaus Funk. Er habe jedoch keinen Anlass, das Ergebnis der Gutachter in Zweifel zu ziehen.

(RP)