Dormagen: Schach-Großmeister zeigt sein Können

Dormagen : Schach-Großmeister zeigt sein Können

Bei den vierten Schachtagen in der Rathaus-Galerie trat zum Abschluss Großmeister Sebastian Siebrecht gegen 16 Herausforderer an. 14 Mal mussten die sich geschlagen gegeben, zwei Mal blieb es bei einem Unentschieden.

Sebastian Siebrecht (39) steht vor einem langen Tisch in der Rathaus-Galerie. Auf einer schlichten blauen Tischdecke sind dort 16 Schach-Bretter aufgereiht. Es sind große Bretter. Darauf stehen edle hölzerne Figuren, nach dem Design des 1874 verstorbenen britischen Schachmeisters Howard Staunton, wie es bei Turnieren Standard ist. Die eine Seite des Tisches ist mit Absperrbändern für den 39-Jährigen freigehalten. Siebrecht steht, ihm gegenüber sitzen 16 Hobby-Schachspieler. Sie treten gleichzeitig gegen ihn an. Simultan-Schach nennt man das und es ist der Höhepunkt der Schachtage in der Rathaus-Galerie. Zuvor hatte es am Freitag ein "Blitzturnier für Jedermann" gegeben, bei dem die Partien höchstens fünf Minuten dauern durften. Am Samstagmorgen folgte ein Jugendturnier und danach Simultanschach mit Sebastian Siebrecht.

Der spielt an allen Brettern mit den weißen Figuren, darf also anfangen. Siebrecht geht schnell von Brett zu Brett, zieht mal diesen Bauern vor, mal jenen, mal das eine Pferd, mal das andere. Zur besseren Orientierung scheint es ihm wichtig, möglichst unterschiedlich zu eröffnen. Die Herausforderer notieren den Zug und überlegen sich eine Antwort. Sie haben Zeit bis Siebrecht in den anderen 15 Partien gezogen hat. Dann steht er wieder am Brett, streicht sich die Haare aus dem Gesicht, überlegt kurz, bewegt eine Figur und geht weiter. Siebrecht ist Bundesligaspieler bei den Sportfreunden Katernberg und "internationaler Großmeister". Das ist der höchste vom internationalen Schach-Verband FIDE verliehene Titel. Der 39-Jährige hält aber auch Strategie-Seminare, kommentiert und setzt sich vor allem für den Nachwuchs ein. Schach als Schulunterricht ist eines seiner Ziele. "Jeder sollte Schach lernen", meint er. Schließlich fördere das älteste Brettspiel der Welt nicht nur bei Kindern Konzentration und vorausschauendes Denken. Kein Wunder also, dass Siebrecht besonders gut mit dem Nachwuchs umgehen kann. Auch der sitzt mit am Tisch.

Sebastian Weber (9) zum Beispiel. Er ist mit Papa Michael da und hat am Vormittag das Jugendturnier in seiner Altersklasse gewonnen. Sowohl der 9-Jährige als auch der Großmeister haben zwei Bauern, einen Läufer und ein Pferd verloren. Siebrecht schäkert immer wieder mit dem kleinen Sebastian, gibt Tipps. Später wird er ihm ein Autogramm geben. "Gut gespielt", steht auf dem Zettel. Nach zehn Zügen sind noch alle 16 Teilnehmer im Spiel. Das ändert sich nach dem 20. Zug. Da kapituliert der erste Herausforderer.

Center-Manager Manfred Keil schaut sich das zufrieden an. Keil organisiert das Turnier zusammen mit dem Schachverein 47 Bayer Dormagen. "Für das Center ist es eine gute Aktion." Nach dem 34. Zug sind nur noch acht Teilnehmer im Spiel. Auch für den 9-jährigen Sebastian wird es jetzt brenzlig. Im 40. Zug setzt Siebrecht ihn matt. Jetzt sind nur noch vier Spieler übrig. Frank Tendick und Harald Hidy gelingt immerhin ein Remis gegen den Großmeister. "Sie haben mich ganz schön geschafft", gesteht Siebrecht.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE