Sammler und Buchautor Eduard Breimann

Rheinfeld : Der Sammler historischer Geschichten

Eduard Breimann ist Heimatforscher, Autor, Sammler von historischen Fotos und Referent über lokalhistorische Themen.

Er schreibt wieder, und auch dieses Mal keine leichte Kost: Eduard Breimann ist gerade dabei, mit dem vierten Band seine Familiensaga „Der Schicksalsfluss“ zu beschließen. Es ist seine eigene Lebensgeschichte, in großen Teilen, und über weite Strecken keine heitere. „Ich habe ein gebrochenes Leben, aber eines, mit dem ich heute sehr versöhnt bin“, bekennt der 77-Jährige. Die Dormagener kennen Breimann als Heimatforscher, Autor, Sammler von historischen Fotos aus der Stadtgeschichte, Referenten über lokalhistorische Themen, als Deichgräfen über viele Jahre.

Der Ansporn, immer wieder fremdes Gebiet kennenzulernen, sich Neues in akribischer Manier anzueignen, gestellte Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, ist die Triebfeder seines Lebens. Die Wurzeln dafür, so hat Breimann es einmal formuliert, liegen in den „Leerstellen“ seiner Kindheit: „Ich wurde nicht gelenkt, musste immer selbst meine Ziele finden.“ Vorbilder oder Bestärkung kommen in den frühen Jahren des unehelichen Sohnes einer Näherin, geboren am 9. November 1940 und aufgewachsen im erzkonservativen Münsterland, nicht vor. Statt dessen Ausgrenzung und Prügel durch den Lehrer. „Ich durfte nicht zu den Pfadfindern und nicht Messdiener werden, obwohl ich aus so einem eng katholischen Haushalt kam.“ Wissen und Ehrgeiz aber, das merkt der Junge früh, bahnen den Weg, um der Außenseiterrolle zu entkommen. Nach acht Jahren Volksschule besucht Breimann zunächst die Bergschule Bochum und fährt in den Schacht. Er ist noch keine 20, als er zwei Tage verschüttet bleibt. „Danach habe ich meine erste eigene Entscheidung getroffen: Ich wollte das Abi nachmachen und nie mehr da runter“, erinnert er sich. Als Bayer Anfang der 1960-er Jahre Mitarbeiter sucht, heuert er im Dormagener Werk an. Der Ehrgeiz und die Genauigkeit des jungen Mannes fallen dem Statistikleiter auf. Er schickt ihn wieder auf die Schulbank. In acht Semestern an den Universitäten in Konstanz und München wird er zum Systemanalytiker ausgebildet. Er schreibt ein Buch über die betriebliche Datenerfassung, das erste seiner Art.

Breimann steigt auf der Karriereleiter zum Leiter Financial Controlling. Im Rat der Stadt Dormagen, die ihm mehr Heimat ist, als es das Münsterland je war, leitet er die CDU-Fraktion. In Rheinfeld gründet er mit Freund Theo Grandrath den Heimatverein, marschiert bei den Hubertusschützen ‘57 im BSV. Er ist angekommen und 56 Jahre alt, als er die Diagnose Krebs hört: Operation, das bange Warten, der Wille, es zu schaffen und das Ziel: „Wenn ich es schaffe, will ich schreiben, schreiben, schreiben.“

Die Krankheit wird zu einer weiteren „erzwungenen Marschrichtungsänderung“ in seinem Leben: 2003 veröffentlicht er mit der autobiographischen Geschichtensammlung „Dem Krebs zum Trotz“ sein erstes Buch. Weit über ein Dutzend Romane, Novellen und lokalhistorische Schriften folgen bis heute. Der Roman „Kalte Seelen“ befasst sich mit Köln zur Zeit des Dritten Reiches, „Projekt Hannibal“ mit dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel. Leichte Lektüre liegt ihm nicht, „ich möchte keine oberflächliche Literatur schreiben.“

Am Mittwooch Nachmittag eröffnet Eduard Breimann als Schirmherr die Ausstellung „Quermaler“ im Netzwerk Alte Apotheke. Eine Gruppe hat historische Dormagener Fotografien aus Breimanns üppigem Fundus mit bunten Acrylfarben übermalt. Er ist oft in der ehemaligen Löwen-Apotheke, hält Vorträge, liest Heiteres. „Momente der Leichtigkeit“, beobachtet er bei den Gästen der Begegnungsstätte. Manche davon Menschen mit gebrochenen Leben, so wie er selbst.

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