Dormagen: Salafisten in Hackenbroich

Dormagen : Salafisten in Hackenbroich

Die Umzugspläne einer "Islamschule" von Braunschweig nach Mönchengladbach sorgten im Sommer 2010 für Aufregung. Inzwischen treffen sich Anhänger der islamisch-fundamentalistischen Strömung in Dormagen.

Der Mann lächelt nur. Sagen möchte er nicht viel. "Die sind zu gefährlich", raunt er. Mit "die" meint er Männer, die sich offenbar regelmäßig, vor allem freitags, in der Kellermoschee an der Neckarstraße 4 einfinden. Männer, die nicht nur beten. Seine Frau schaut nach links und nach rechts. "Pssst!", zischt sie mit aufgerissenen Augen. Der Mann sagt noch: "Wenn die kommen, dann wechsel ich die Straßenseite." Seinen Namen will er lieber nicht nennen.

Abu Adam alias Sven Lau, der am Freitag nach Dormagen kommt, ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins EZP, der seinen Sitz in Mönchengladbach hat. Foto: Isabella Raupold

Hinweise verdichten sich, dass sich in dem Haus Salafisten treffen, die auch Jugendliche für eine radikale Auslegung des Islam begeistern wollen. Auf der Internetseite "Einladung zum Paradies e. V." (EZP) ist ein Besuch der Prediger Abu Adam alias Sven Lau und Abu Alia für diesen Freitag, 18 Uhr, angekündigt. Auch der im Zusammenhang mit EZP bekannte Prediger Pierre Vogel war bereits mehrfach zu Gast.

An der Neckarstraße 4 hängt ein Hinweis auf die Moschee. Foto: Büntig

Der Stadt Dormagen ist bekannt, dass sich Salafisten in Hackenbroich versammeln. "Wir sind sensibilisiert. Auch das Jugendamt beobachtet die Situation genau", so Sprecher Harald Schlimgen. "Das Thema bereitet uns Sorge doch ich bin sicher, dass wir mit einer guten und lebendigen Integrationsarbeit Paroli bieten können", sagt er. Mehmet Güneysu, der Vorsitzende des Integrationsrates, hat durch einen Brief von den Treffen und dem Gebetsraum erfahren. "Die Dormagener Muslime distanzieren sich klar davon", so Güneysu.

Besitzer des Gebäudes an der Neckarstraße ist Mustafa Aras. Die Kellermoschee habe er an seine Freunde in Hackenbroich vermietet. Wer sagte, dass sich dort radikale Muslime treffen, der stelle Behauptungen auf. "Diese Leute waren selber noch nicht dort", sagt Aras, "sind aber willkommen." Freitags um 14.30 Uhr sei Freitagsgebet.

Doch was genau spielt sich ab in den Räumen im Keller unter der Dönerbude Aras? Im September vergangenen Jahres hatte die NGZ mit dem Dorfpolizisten Georg Kuczera die Räume besucht. Es ist ein schmaler, grauer Schlauch mit tiefer Decke und einem weichen Boden – die ehemalige Kegelbahn der Gaststätte "Schabulskis". Arabische Schriftzeichen stehen an einer Tafel. Die Leute seien freundlich, hatte Kuczera damals gesagt, doch blieben sie lieber unter sich. Tunahan Senol hat schon einige Male am Freitagsgebet teilgenommen. "Mal komme ich hierhin, mal gehe ich in die Moschee in Horrem", sagt er.

Ein paar hundert Meter weiter arbeiten Menschen, die sich in der Neckarstraße nicht mehr wohlfühlen. Auch hier gilt: Niemand möchte genannt werden. Das Motto lautet: Abstand halten. Wer bereit ist, zu sprechen, weiß von nichts. "Das sagt mir gar nichts", so ein Geschäftsmann, dem das Thema suspekt ist. "Religionen sind die Geißel der Menschheit, das ist seit Tausenden von Jahren so." Die Salafisten sehen das anders.

(NGZ)
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