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Roger Nyssen, freischaffender Künster aus Nievenheim

Kultur aus Dormagen : Roger Nyssen, der Spurensucher

Der freischaffende Künstler aus Nievenheim macht in seinen Bildern die Geheimnisse des Aachener Doms erlebbar. Seine Werke sind immer wieder in der Region zu sehen.

Der Aachener Dom, Pfalzkirche und Grabstätte Karls des Großen, Weltkulturerbe, fast 600 Jahre lang Krönungsort aller römisch-deutschen Könige sowie Marien- und Wallfahrtskirche, die seit 1349 (mit wenigen Ausnahmen) alle sieben Jahre Christen aus aller Welt anzieht. „Kunstgeschichtlich unbestritten eines der Vorbilder religiöser Architektur und in diesem Sinne ein Meisterwerk, in dem sich über die Jahrhunderte gewachsene unterschiedliche Bau- und Stilelemente zu einem einzigartigen Ganzen formen“, fasst Roger Nyssen zusammen.

Der freischaffender Künstler und Verfahrensingenieur, 1953 in Aachen-Lemiers direkt an der Grenze zu den Niederlanden geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet seit 1980 in Nievenheim. Ende 2016, „nach einem bewegten Leben als Ingenieur und einer Ausstellungspause von mehr als 20 Jahren“, war die professionelle Malerei und Grafik wieder in den Mittelpunkt seines Schaffens gerückt. Neben Aquarell und Druckgrafik (Radierung, Holzschnitt), „denen ich seit meinen Anfängen treu bin, widme ich mich heute vor allem der Ölmalerei in großen Formaten.“

Der 67-Jährige geht dabei den Dingen gerne auf den Grund. Ein gutes Beispiel ist seine noch bis zum 31. Januar 2021 in der Kirche St. Mariä Heimsuchung in Kohlscheid-Kämpchen zu sehende Ausstellung „Domseelen – Sinnspuren im Aachener Dom“. Als er den Entschluss fasste, einige der im Aachener Dom verwendeten Marmormotive „als Quellen maleririsch-surrealistisch, ja traumhaft zu interpretieren“, sei ihm nicht bewusst gewesen, „in welche Tiefen ich dabei gelangen würde.“ Natürlich ist ihm ziemlich klar, dass beim Anblick der zwischen 2016 und 2018 entstandenen Bilder „nur die Wenigsten mit der gleichen Intensität wie ich beim Malen durch die Erscheinungen im Marmor berührt werden“, trotzdem nimmt er die Ausstellungsbesucher quasi in die Pflicht, sich zu beteiligen. „Um aus diesem Quell zu schöpfen, bedarf es mehr als flüchtiges Schauen.“ Wer bereit sei, sich an der Spurensuche zu beteiligen, werde indes belohnt, verspricht er, ihm öffne sich nämlich „Raum, Zufälliges zu entdecken und sich den Geheimnissen im fließenden Wesen der Motive zu nähern.“ Über seine Kunst, über seine intensive Beschäftigung mit der Pfalzkirche Karls des Großen finden Neugierige auch Zugang zum Menschen Roger Nyssen, den christlich-mythologische und bibliche Themen ebenso faszinieren wie die Lehren großer Mystiker – allen voran Laotse (vermutlich sechstes Jahrhundert vor Christi Geburt) und Meister Eckhart (1260 bis 1328). „Wie die meisten Menschen suche ich immer wieder neu nach der Begegnung mit Gott, aber auf dem Boden und mit den Augen meiner Kultur und Erziehung. Die Analogien, die ich vor sechs Jahren zum ersten Mal im Aachener Dom bewusst und nachhaltig empfunden habe, kommen also nicht von ungefähr. Sie entspringen auf für mich geheimnisvolle Weise dem Wesen der Steine, des Ortes und meines Selbst.“

Und damit zurück zum Künstler, der den realen Bezug zur Quelle, also in diesem Fall dem Dom zu Aachen, trotz seiner geradezu traumhaften Interpretationen nie ganz verliert. Ihm ist wichtig, „dass die Analogien nicht als Abbildnisse irgendeiner Vorstellung des Himmels oder Göttlichen verstanden werden. Auch sollten sie keine verbindliche Wahrheit und für niemanden ein religiöses Dogma sein.“ Wenngleich sich all seine Lebensumstände um Dormagen drehen, ist er mit Aachen nach wie vor fest verwurzelt. „Heimat bleibt Heimat!“ Und er landet dabei immer wieder im Dom, der für ihn seine spirituelle Stärke mehr aus dem atemberaubenden Innenraum als aus seiner äußeren Erscheinung bezieht. Er innert sich an die regelmäßigen Besuche mit seiner Mutter „in ihren letzten Jahren“ – und wie er dabei der Versuchung widerstand, sich von der Schönheit des Gesamtwerks ablenken zu lassen, sich nicht einnehmen ließ von dessen die Sinne betörenden Glanz, „der die wahren Geheimnisse bestensfalls verklärt oder sogar ganz verbirgt.“

Deshalb seine Aufforderung zum Schluss: „Leute, geht in den Dom und schaut Euch die Dinge an!“