Dormagen: Risiko: Kinder bleiben Nichtschwimmer

Dormagen : Risiko: Kinder bleiben Nichtschwimmer

Lange Wartezeiten für Kursplätze. Experten warnen Eltern: Mit Seepferdchen können Kinder noch nicht schwimmen.

Der Strand am Straberger See platzt in diesen Tagen aus allen Nähten. Besonders Kinder mögen die Abkühlung im Wasser. Bevor es aber in den See oder im Urlaub gar ins Meer geht, besuchen viele junge Nichtschwimmer eine Schwimmschule. Offenbar so viele, dass die Anfängerkurse bis auf einige wenige Plätze bei der SSG Nievenheim-Delrath komplett ausgebucht sind. Wer den Nachwuchs vor dem Urlaub also noch schnell zum Schwimm-Training schicken wollte, muss umplanen. Sogar für den Sommerurlaub im nächsten Jahr wird es knapp, denn teilweise warten die Kinder bis zu einem Jahr auf einen Platz.

Für manche Eltern offenbar ein Grund, die Schwimm-Ausbildung ihres Nachwuchses ausfallen zu lassen. Ein 13-jähriger Nichtschwimmer ertrank am 9. Juli im Unterbacher See, am gleichen Tag kam ein Achtjähriger im Ennepe-Ruhr-Kreis bei einem Bade-Unfall ums Leben. Pädagogen fordern deshalb: Kinder sollten mit acht Jahren schwimmen können.

Der TSV Bayer Dormagen, die DLRG und die SSG Nievenheim-Delrath bieten Kurse an. Kosten: zwischen 80 und 100 Euro. Die jüngsten Teilnehmer sind vier Jahre alt, die ältesten Nichtschwimmer zehn. "Mit etwa vier Jahren einzusteigen, das empfiehlt sich", sagt Kerstin Born von der SSG Nievenheim-Delrath. Nach den Sommerferien bringt sie dem Nachwuchs wieder das Schwimmen bei. "Wir haben noch ein paar Plätze frei", sagt sie. Der Ablauf der Kurse ist im Prinzip immer derselbe: Auf die Wassergewöhnung folgt die Wasserbewältigung, anschließend werden die Grundlagen einer Schwimmtechnik erlernt.

Nach dem Kursus sind die Kinder aber noch keine Schwimmer, sagt Sebastián Espinosa Ziegler, Schwimm-Lehrer vom TSV Bayer Dormagen. "Dann haben sie das Seepferdchen-Abzeichen erreicht. Viele wissen aber nicht, dass auch Kinder mit Seepferdchen noch Nichtschwimmer sind." Deswegen gibt es Folge-Kurse, in denen die Fähigkeiten weiter verbessert werden. Die DLRG übernimmt zum Beispiel Schwimm-Anfänger von der "Hai-School", der Schwimmschule des TSV.

Auf Schwimmunterricht in der Schule sollten die Eltern sich möglicherweise nicht verlassen. "Eine Grundschullehrerin hat mir gesagt, dass in den 45 Minuten Schwimmunterricht höchstens geplanscht wird, von Schwimmen lernen kann da aber nicht die Rede sein", erzählt Espinosa Ziegler. Auch auf sogenannte Kompakt-Schwimmkurse in den Urlaubsorten sollte lieber verzichtet werden "Da wird in einer Woche alles sehr schnell durchgezogen, beim Kind bleibt von dem Kursus später nichts hängen", sagt Oliver Fielitz. Doch wo sollen die Kinder schwimmen lernen, wenn fast alle Plätze voll sind? Die Experten empfehlen, sich außerhalb der Stadtgrenzen umzuschauen. Außerdem würde ein regelmäßiger Schwimmbad-Besuch die Kleinen schon mal auf den späteren Kursus vorbereiten. "So verlieren sie die Scheu vor dem Wasser", sagt Ziegler.

Mit rudimentären Schwimmfähigkeiten sollten Eltern ihre Kinder aber nicht alleine ins Wasser lassen. "Immer nur mit Begleitung und mit einer Schwimmweste — Schwimmflügel sind nicht empfehlenswert", sagt Fielitz. Am "Strabi" sehe er immer wieder Kinder ohne Begleitung im Wasser toben und planschen. "Da stellen sich mir die Nackenhaare auf", sagt der Rettungsschwimmer.

(NGZ)
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