"Reihe 8"-Konzert: Richard Ander-Donath in der Christuskirche Dormagen

Christuskirche Dormagen: Vitale „Dunkle Träume“ bei der „Reihe 8“

Violoncellist Richard Ander-Donath gastierte mit Cousin Georg Wendt in der Christuskirche.

Der neue Christuskirchen-Kantor Georg Wendt (35) – seit dem 1. September vergangenen Jahres im Amt – hat die einst von seinem Vor-Vorgänger Christian Stähr gegründete „Reihe 8“ wiederbelebt. Für jeden 8. des Monats (außer dem 8. Monat) hat er die Reihe bis zum Jahresende durchgeplant und eine „Wundertüte“ illustrer und abwechslungsreicher Konzerte entworfen. Für den Februar hatte er den jungen Violoncellisten Richard Ander-Donath (27) eingeladen, der, in Leipzig geboren, seit vier Jahren an der Hochschule der Künste in Bremen bei Alexander Baillie studiert.

Diese Einladung war nun keineswegs purer Zufall, denn Georg Wendt ist mit dem aufstrebenden Musiker verwandt, beide sind Cousins. Warum er seinem Vetter das Motto „Dunkle Träume“ vorgab, war glücklicherweise nicht nachzuvollziehen, denn schon das „Prélude“ aus Johann Sebastian Bachs „Suite Nr. 6 D-Dur“ (BWV 1012) für Violoncello solo, mit dem sich Richard Ander-Donath dem im Vergleich zum Januar deutlich gewachsenen Publikum vorstellte, war mit den sich steigernden Spannungsbögen von vitaler Frische. Dass Bach diese Suite für die fünfsaitige „Viola pomposa“ schrieb, meisterte der Interpret auf den vier Saiten seines modernen Instrumentes glänzend.

Expressivität kennzeichnet die „Sonate für Violoncello und Klavier“, die der russische Komponist Alfred Schnittke in deutlicher Anlehnung an Dmitri Schostakowitsch 1978 schrieb. Vor allem der zweite Satz „Presto“ war ein lebhaftes Stimmungsbild voller Experimentierlust im Miteinander beider Instrumente. Georg Wendt war am Flügel exzellenter Begleiter wie auch bei einer barocken Sonate von Francesco Geminiani mit fein verhaltenem Spiel an der Truhenorgel. Zu ungestüm am Flügel spielte er das dritte der „Fantasiestücke“ (op. 73) von Robert Schumann, gleichwohl verschmolzen beide Musiker zu einer Einheit. Schließlich erklang schöner Jazz in der Kirche mit „Drei Stücke für Violoncello und Klavier“, die der ukrainische Pianist und Komponist Nikolai Kapustin 1999 auch als kleine Reminiszenz an den legendären George Gershwin verstand. Zum Schluss gab es dann in der Zugabe doch noch eine kleine „Träumerei“ von Robert Schumann.

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