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Dormagen: Rauchverbot: Wirte beklagen Einbußen

Dormagen : Rauchverbot: Wirte beklagen Einbußen

Im ersten Monat nach der Einführung des Rauchverbots sind beim Ordnungsamt keine Beschwerden eingegangen. Der Großteil der Wirte und Gastronomen registriert einen geringeren Umsatz. Die Schützen sehen die Änderung gelassen.

Es herrscht Ruhe an der Raucherfront — so fasst Ordnungsamtsmitarbeiter Fredo Schröder die ersten Wochen nach der Einführung des Rauchverbots zusammen. Weder kamen Beschwerden über Kneipen, in denen weitergeraucht wurde, noch klagten Anwohner über Lärmbelästigung durch Besucher, die nun mit der Zigarette im Freien stehen.

Schröder betont, dass das Ordnungsamt jeder Beschwerde nachgehen werde. Gleichzeitig habe man aber auch Verständnis für die besondere Situation der Wirte.

Dass der Großteil der Wirte und Gastronomen unter dem Rauchverbaut leidet, davon ist Rainer Spenke überzeugt.

Der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein verweist auf eine Erhebung unter 700 Wirten in NRW. Rund 71 Prozent der Inhaber von Kneipen und Bars gaben an, nach der Einführung des Rauchverbot Einbußen von mehr als zehn Prozent zu verzeichnen. Bei manchen seien die Einbußen so hoch wie der komplette bisherige Gewinn. Für Maßnahmen, um die Gäste das Verweilen im Betrieb angenehmer zu gestalten, bleibe für manche kein Geld mehr übrig.

Ein Gegner des Nichtraucherschutzgesetzes ist auch Ralf Kerp, Inhaber des Café Toni an der Kölner Straße. Und das, obwohl er aktuell von dem Verbot profitiert. Seit dem 1. Mai kommen mehr Kunden in seinen Betrieb, weil die Wege vom Innenraum zur Außenterrasse kurz sind. "Vor zwei Jahren war es für uns allerdings bitter", sagt Kerp. Damals musste er seinen Raucherclub aufgeben, den er 2008 eingeführt hatte. Ein starker Umsatzrückgang sei die Folge gewesen.

Damals musste er Mitarbeiter entlassen. Das Umsatzniveau von dieser Zeit habe er danach nicht mehr erreicht. Die Gäste hätten es zu schätzen gewusst, nach dem Essen am Platz eine Zigarette rauchen zu dürfen. Dass mit der Einführung des Rauchverbots verstärkt Nichtraucher die Kneipen und Gaststätten besuchen, glaubt er nicht. Kerp kritisiert, dass die Politik den Unternehmern mit immer neuen Vorgaben das Leben schwer mache.

Gelassen sehen hingegen die Schützen die Änderungen durch das Nichtraucherschutzgesetz: Beim gerade zu Ende gegangenen Schützenfest in Horrem fiel das angenehm rauchfreie Zelt auch den Rauchern auf: "Das ist viel besser. Und wir können ja zum Rauchen kurz rausgehen, das ist kein Problem", sagte ein Gast. Die Bruderschaft hatte in Absprache mit dem Zeltwirt einen Pavillon für die Raucher organisiert. "Wir hatten unsere Schützen allerdings gebeten, dass sie bitte bei Ehrungen und Reden im Zelt bleiben", erklärt der Horremer Brudermeister Manfred Klein. Diese kurzen Raucher-Pausen hat Schützen-Chef Rolf Starke auch bei den ersten beiden Veranstaltungen des BSV Dormagen im Schützenhaus seit Mai beobachtet: "Beim Jahresempfang und der Generalversammlung haben sich die Schützen mit dem Nicht-Rauchen-Dürfen gut arrangiert und sind während der Musikpausen nach draußen gegangen", berichtet Starke. Auch Regen hielt sie nicht davon ab. Im Dormagener Zelt wird es ab 22. Juni einen großen Raucherbereich geben, der mit dem Ordnungsamt abgestimmt ist. "Da werden wir Erfahrungen sammeln, welche Auswirkungen das Angebot auf den Aufenthaltsort der Gäste hat", erklärt BSV-Geschäftsführer Uwe Heier.

(NGZ/rl/anch)