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Dormagen: Raphaelshaus wächst weiter

Dormagen : Raphaelshaus wächst weiter

Für 2012 hat Hans Scholten, Direktor des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus, mehrere Ziele. Das bereits sichtbarste ist der neue Anbau parallel zur B 9: Dort soll im Sommer die vierte Gruppe, erstmals für Jugendliche, einziehen.

Seit Wochen ist zu sehen, dass sich im Vorgarten des Raphaelshauses etwas tut: Parallel zur Bundesstraße B 9 wird ein Anbau errichtet, in den im Sommer 2012 eine vierte Gruppe in das Jugendhilfezentrum einziehen soll. Anders als bisher sind es keine Kinder unter 14 Jahren, sondern Jugendliche, die dort Hilfe finden: "Es ist ein landesweites Modellprojekt für junge Strafgefangene im Alter zwischen 14 und 16 Jahren", erklärt Hans Scholten, Direktor des Raphaelshauses. Der Erfolg der anderen drei Kick-off-Gruppen, bei denen Kinder mit dissozialen Störungen wieder "hoffnungsvoll ins Leben entlassen werden", macht Scholten zuversichtlich, dass die Bemühungen, etwas für Jugendliche zu tun, ebenso wirkungsvoll sein werden. Dafür werden acht Mitarbeiter eingestellt. Die Kosten des Projekts liegen im oberen sechsstelligen Bereich.

Nach seinen Zielen für 2012 befragt, nennt Hans Scholten (61) fünf große Projekte, die er umsetzen möchte: Der Ferienbauernhof in Wissen soll fertiggestellt werden, damit er als Ferienort genutzt werden kann. Die Räume sind restauriert, nun stehen Außenarbeiten an Ställen und Koppeln für die Tiere an. Auch das zweite und dritte Ziel hat mit Tieren zu tun: "Ich möchte gern die Tierpädagogik zum fixen Ankerpunkt machen wie die Erlebnispädagogik", sagt der Raphaelshaus-Direktor. Dazu soll auch eine Ausbildung sozialer Fachkräfte in Tierpädagogik gehören, die seit 25 Jahren im Jugendhilfezentrum angewandt wird. Zudem hofft Scholten, ein Zwischenergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung, welche Effekte Tiere bei Kindern haben, vorstellen zu können. Dazu will er in Köln-Chorweiler mit einem Angebot vor Ort Fuß fassen.

Das sichtbarste und größte Ziel ist jedoch die neue Gruppe an der Stelle, wo früher ein weißes Haus stand, das 1988 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde: Auf 800 Quadratmetern entstehen im Erdgeschoss und auf der ersten Etage die Räume für sieben junge Strafgefangene und einen Betreuer. Architekt Horst Weißleder aus Dormagen hat auch andere An- und Umbaumaßnahmen im Raphaelshaus geleitet. Das pädagogische Prinzip ist das gleiche wie bei der Kurt-Hahn-Gruppe, wie Hans Scholten erklärt: "Es ist keine geschlossene Gruppe, aber eine mit hoher Aufsicht. Wir vereinen Konsequenz und den stark strukturierten Alltag mit Wertschätzung und geben den Jugendlichen eine Perspektive." Möglich wurde dieses seit drei Jahren vorbereitete Projekt, nachdem sich die Stadt Dormagen für das soziale Projekt eingesetzt hatte, so dass Mittel aus dem Konjunkturpaket II in den Bau fließen konnten — und nach einer Ausschreibung des NRW-Justizministeriums, die das Raphaelshaus gegen vier Mitbewerber jetzt für sich entscheiden konnte.

(NGZ)