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Raphaelshaus-Gruppe reinigt Stolpersteine für Juden in Dormagen

Raphaelshaus : Jugendliche reinigen Stolpersteine

Regelmäßig putzen Mitglieder der Otmar-Alt-Gruppe des Raphaelshauses die Gedenksteine im Dormagener Straßenpflaster. Mit den Steinen wird an die bekannten Dormagener Opfer nationalsozialistischer Gewalt erinnert.

Das Jugendhilfezentrum Raphaelshaus hat jetzt erneut eine wichtige Aktion wider das Vergessen ausgeführt: Leon, Mario und Malik von der Otmar Alt-Gruppe des Raphaelshauses säuberten am Mittwochnachmittag mit Betreuer Martin Worring (26) rund 20 Stolpersteine in der Dormagener Innenstadt. So auch auf der Kölner Straße die Platten für Max, Herta, Walter und Gertrud Herz, die von den Nazis nach Lodz deportiert und ermordet wurden.

Die quadratischen Messingplatten im Straßenpflaster erinnern an die Opfer der Judenvernichtung und der politischen Verfolgung im Nationalsozialismus. Insgesamt 39 Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig von 2005 bis 2011 in der Innenstadt, in Zons und in Stürzelberg verlegt. Sein Leitsatz lautet: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Als Paten für die Stolpersteine fungierten zumeist Dormagener Schulen, die Finanzierung erfolgte gänzlich aus Spenden engagierter Bürger aus dem Stadtgebiet. Seit Oktober 2013 zeigt eine von der Zonser Designerin Ricarda Frenzel gestaltete Stele neben dem Historischen Rathaus die genauen Standorte dieser Stolpersteine für alle bekannten Dormagener NS-Opfer.

„Die Stolpersteine halten nicht nur die Erinnerung an die Toten lebendig, sondern sind auch Teil der Dormagener Stadtgeschichte“, sagt Kulturbüro-Leiter Olaf Moll, der das Projekt zusammen mit dem Verein zur Förderung der Partnerschaft Dormagen – Kiryat Ono, dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss und allen weiterführenden Schulen in Dormagen initiiert hat. Neben dem Raphaelshaus waren die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, die Realschule am Sportpark, das Leibniz-Gymnasium, die Realschule Hackenbroich, das Norbert-Gymnasium Knechtsteden und die ehemalige Hermann-Gmeiner-Hauptschule beteiligt.

Auch Hanni Paschek-Dahl, deren Vater Jakob Dahl 1941 ins Konzentrationslager nach Riga deportiert wurde, nahm 2013 an der Stelen-Enthüllung teil. „Es ist für mich Ehrensache und Selbstverständlichkeit, dass ich mich am Gedenken an NS-Opfer beteilige“, sagte die Dormagenerin, deren Familie lange Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Metzgerei an der Kölner Straße betrieb – bis Ende 2011. „Die Stolperstein-Stele ist eine schöne Idee, die ich unterstütze“, sagte sie. Der langjährige Dormagener Pfarrer Heinz Tenhafen, einer der Unterstützer des Projektes, sagte als Redner vor dem Stadtrat: „Die Stolpersteine geben den Opfern, die zu bloßen Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurück.“ Doch sei der Abschluss dieser Aktion in Dormagen kein Grund zum Zurücklehnen: „Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen“, warnte Tenhafen 2013: „Nur die Erinnerung ist es, die uns der Versöhnung näherbringt.“

Die Otmar-Alt-Gruppe des Raphaelshauses hat sich weiter der Pflege der Stolpersteine verschrieben. Zum wiederholten Mal leisteten Jugendliche mit ihrer uneigennützigen Reinigungsaktion einen wertvollen Beitrag zu dem Projekt, über das das Kulturbüro unter 02133 257-338 informiert.