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Rätsel der Stadt: Technische Anlage unter einer Scheune in Zons

Rätsel der Stadt : Technische Anlage unter einer Scheune in Zons

Serie „Rätsel der Stadt“: Heinrich Wimmer ließ in seiner Dachziegelei 1853 mehrere Brennöfen errichten.

Am Ende des Neuen Taubenwegs in Zons steht eine große Scheune. Sie soll demnächst abgerissen werden, um Platz zu schaffen für ein neues Wohnquartier mit dem Namen „Liesenhof“. Ein Kölner Architektenbüro plant dort den Bau von acht Einfamilienhauseinheiten und einem Mehrfamilienhaus. Die spannende Frage: Was passiert mit dem, was sich unter dem Gebäude befindet?

Dabei handelt es sich um eine technische Anlage, die seit 2004 unter Denkmalschutz steht. 1853 ließ Heinrich Wimmer an der Stelle eine Dachziegelei mit drei „Kasseler Öfen“ errichten. Dieser innovative Brennofentyp war 1827 von Carl Anton Henschel für seine Ziegelei in Mönchberg bei Kassel entwickelt worden. Es handelte sich um einen liegenden Kammerofen mit einer Feuerung im vorderen Teil, der vom Brenngut getrennt war. Am Ende des Brennraums stand ein Schornstein zur Lenkung und Abführung der Brenngase. Durch die konstante und waagerechte Bewegung der Hitze konnte die Qualität der hergestellten Ziegel deutlich gesteigert werden.

„Die Exemplare des Kasseler Ofens sind im Rhein-Kreis Neuss einmalig“, sagt Thomas Schwabach, Archivleiter der Universität St. Gallen in der Schweiz. Der 45-Jährige ist in Zons aufgewachsen und hatte die Doktorarbeit über die Entwicklung des Zieglergewerbes vom 15. bis 20. Jahrhundert in seiner alten Heimatstadt verfasst. Schwabach entdeckte und dokumentierte die Anlage. „Sie ist ein letztes bauliches Zeugnis dieses damals bedeutenden Gewerbezweiges“, sagt der Historiker über die Technik im Keller der alten Scheune.

Auf einer Fläche von zwölf mal vierzehn Metern befinden sich drei Brennkammern und ein Arbeitsraum. Ein Schwarz-Weiß-Foto davon ist in Thomas Schwabachs Buch abgedruckt, das 2004 vom Geschichtsverein Dormagen, Nievenheim und Zons herausgegeben wurde. Der letzte Besitzer der Dachziegelei am Neuen Taubenweg hieß Franz Liesen. 1912 brannte das Hauptgebäude nieder. Liesen starb drei Jahre später, das zukünftige Wohngebiet „Liesenhof“ wird seinen Namen tragen und so die Erinnerung wach halten.