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Rätsel der Stadt: Moderne Kunst auf A 57-Raststätte

Rätsel der Stadt (4) : Was macht moderne Kunst auf der A 57?

Auf der Raststätte Nievenheim-Ost in Fahrtrichtung Neuss soll ein Kunstwerk zum Nachdenken anregen.

„Sehen Sie das Metallstück?“, fragt Holger Hagedorn und zeigt nach oben. Aus der schwarzen Skulptur ragt ein Teil hervor und bewegt sich im Wind. „Das ist das Band, mit dem damals die Plastikrohre fixiert waren und das durch die ungeheure Hitze mit dem Kunststoff verschmolz“, sagt der 52-jährige Künstler. Hagedorn muss etwas lauter reden, denn hinter ihm donnern Lastwagen in Richtung Neuss über die Autobahn A57.

Auf der Raststätte Nievenheim-Ost steht gleich hinter der Tankstelle ein modernes Kunstwerk. Der genaue Titel lautet „Korpus Delikti A 57“. In der Mitte stehen zwei große Elemente, die durch ihre gebogenen Formen wie Schwingen aussehen – und mit denen die Flügel eines Todesengels assoziiert werden können. Umgeben ist diese Kunst-Installation von 13 großen und kleinen Steinen. Diese Zahl ist nicht zufällig: In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2012 zündeten bislang immer noch Unbekannte die Kunststoffrohre an, die unter der Autobahnbrücke auf dem Ernteweg bei Nievenheim lagerten. Es entstand so dichter Qualm auf den Fahrbahnen, dass es durch die fehlende Sicht zu einer folgenschweren Massenkarambolage kam. Ein Autofahrer starb, 13 Menschen wurden verletzt. Daher die 13 kleinen Steine für die Verletzten und der große Findling, der symbolisch für den Toten steht. Er trägt eine Gedenktafel der Stadt Dormagen und des Landesbetriebs Straßen NRW.

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Holger Hagedorn sah in der Zeitung die Fotos von der schrecklichen Brandkatastrophe. „Die Strukturen des verschmorten Plastiks sahen aus wie erstarrte Lava und erinnerten mich an meine eigenen Arbeiten mit Bauschaum“, erzählt Hagedorn. Der freischaffende Multimedia-Künstler hatte spontan die Idee, aus den vorgefundenen Objekten ein Mahnmal zu schaffen. Er fuhr an den Unglücksort und konnte den Landesbetrieb „Straßen NRW“ von seinem Projekt überzeugen. Am 1. April 2016 wurde die Skulptur des Pulheimer Künstlers, der 1985 sein Abitur am Norbert-Gymnasium Knechtsteden gemacht hat, auf der A 57-Raststätte aufgestellt und wegen den Bauarbeiten zur Rastplatz-Erweiterung vorübergehend entfernt.

Der lateinische Begriff „Corpus Delicti“ heißt übersetzt „Körper des Verbrechens“ und bezeichnet den Gegenstand, mit dem eine Straftat begangen wurde. „So nannte ich das Werk „Korpus Delikti A 57“, da es die Tatwaffe war, die so viel Leid über die Familien der Opfer brachte“, sagt Hagedorn über die Brandstiftung unter der Autobahn. Sein Mahnmal gelte jedoch auch allen anderen Menschen, die im Straßenverkehr zu Schaden kamen und kommen.

Durch die Aufstellung an der Raststätte Nievenheim-Ost sei das Denkmal ganz nah am Ort der damaligen Katastrophe, meint Hagedorn: „Es zeigt, wie verwundbar der mobile Mensch ist. Ein Augenblick reicht, und ein zufälliges Geschehen reißt uns aus unserer trügerischen Sicherheit.“