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Dormagen: "Queen Mum" trödelt aus Leidenschaft

Dormagen : "Queen Mum" trödelt aus Leidenschaft

In Omas Schätzen aus dem Keller oder in Dachbodenfunden stöbern – diese Möglichkeit bietet heute der erste City-Flohmarkt des Jahres in der Dormagener Innenstadt. Mit dabei: Hobby-Trödlerin Margot Loibl.

Auf blühende Kirschbäume werden die Trödler und Besucher des ersten City-Flohmarktes des Jahres heute wohl verzichten müssen. Fest steht aber, dass es auch dieses Mal wieder viel zu entdecken gibt – auch am Stand von Margot Loibl. Die 71-Jährige ist Trödlerin mit Leib und Seele, hat ihr geliebtes Hobby bereits zu Zeiten der Deutschen Mark entdeckt. "Damals habe ich gemeinsam mit weiteren Händlern für ein Hospiz getrödelt", erinnert sie sich. "Das hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich danach regelmäßig nach Düsseldorf zum Aachener Platz oder zur Kölner Rennbahn gefahren bin, um meine Sachen anzubieten."

Seit es den City-Flohmarkt gibt, bevorzugt sie aber den Standort beinah "vor der Haustür". Gemeinsam mit ihrer guten Freundin Uschi Malzburg, die meist Porzellan anbietet, und Freunden, die sie im Laufe ihrer "Trödel-Karriere" kennengelernt hat, mietet sie einen meterlangen Stand für das gesamte Jahr und freut sich auf die Termine. Mit Kuchen, Kaffee oder auch mal einer Flasche Wein richten sich die Hobby-Trödler an ihrem Stand vor Quick-Schuh ein und sehen, was der Tag bringt.

"Dadurch, dass mein verstorbener Mann Schützenoberst war, kenne ich sehr viele Dormagener. Oft bleiben Menschen stehen und wir halten einen Plausch – das ist immer richtig schön, dass an unserem Stand immer was los ist", sagt Margot Loibl, die jetzt als "Queen Mum" Tochter Heike Loibl-Krapp und deren Mann Hans-Joachim Krapp durch deren Jahr als Dormagener Schützenkönigspaar begleitet.

Margot Loibl selbst sammelt das ganze Jahr über gut erhaltene Sachen in ihrem Trödelkeller: "Ich verkaufe hauptsächlich Kleidung und alles, was in Omas Keller oder auf dem Dachboden zu finden ist." Familie, Freunde und Bekannte etwa denken beim Ausmisten stets an sie und bringen ihr kistenweise Trödel, den sie dann sichtet und sortiert. "Ich achte darauf, dass die Sachen stets in einem einwandfreien Zustand sind."

So manche Kuriosität sei ihr dabei schon begegnet – von unerwünschten Souvenirs aus der Nazi-Zeit bis hin zu wertvollem Porzellan. Dabei geht es der Rentnerin nicht ums Geld allein. "Wir sind natürlich stolz, wenn wir 200 oder 300 Euro in der Kasse haben", räumt sie ein. "Aber ich spende auch einmal im Jahr einen Teil des Trödelerlöses für das Raphaelshaus."

Ehrenamtliches Engagement liegt Loibl ebenso am Herzen wie das Trödeln. Sie ist aktiv in der Caritas-Vereinigung, hilft aber auch mindestens zweimal in der Woche im Café des Augustinushauses aus. "Außerdem gebe ich in Neuss ein Palliativ-Seminar. Obwohl ich es eigentlich gern mache, ist es oft schwierig für mich, weil mein Mann gestorben ist." Ein weiteres Hobby der aktiven 71-Jährigen ist das Reisen: "Wir suchen uns mit mehreren Frauen ein Ziel aus. Wir waren sogar während der Papstwahl in Rom. Auf dem Petersplatz wurde ich von einem Fernsehteam interviewt", erzählt sie. Dabei bezieht sie in ihre Reiseplanungen auch die Daten des City-Flohmarktes ein.

Heute geht's früh los: Bereits um acht Uhr trifft sie sich mit den Trödlern, um den Stand aufzubauen. "Besonders spannend sind die ersten Stunden, wenn die Experten auf der Suche nach besonderen Stücken über den Markt schlendern", sagt sie. "Was der Tag bei dem momentanen Wetter bringt, werden wir abwarten. Ich freue mich drauf."

(NGZ)