1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Quartier Goethestraße in Dormagen: Familien kämpfen um ihre Spielgeräte

Quartier Goethestraße in Dormagen : Familien kämpfen um ihre Spielgeräte

Mit einem Brief an ihre Mieter im Wohnquartier um die Goethestraße fordert das Unternehmen Vivawest das Entfernen von Trampolins, Pools und Rutschen bis zum 30. Juni. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Fröhlich hüpft ein Mädchen auf dem Trampolin auf dem Außengelände der Goethestraße 17–19. Ob das auch nächsten Mittwoch noch so sein wird, ist fraglich. „Wir sollen jetzt alle unsere Spielgeräte entfernen“, berichtet Iris Raab. „Das würde den Kindern die Möglichkeit des wohnnahen Spielens, gerade in den Ferien, nehmen“, sagt sie und ist sichtlich empört. Rund 40 andere Mieter und Kinder sind ihrer Meinung, die sie durch das Plakat „Wir wollen unsere Spielgeräte behalten“ und ihre Anwesenheit kundtun.

Denn pünktlich vor den Sommerferien haben Mitte der Woche die Mieter des Wohnquartiers rund um die Goethestraße – Im Daubenthal, Sebastian-Bach-Straße, Niederfeld, Carl-Duisberg-Straße, Beethovenstraße – Post von ihrem Vermieter, der Vivawest Wohnen GmbH, erhalten. Das Unternehmen beruft sich auf die Verkehrssicherungspflicht und fordert dazu auf, die „Gefahrenquellen zu beseitigen und Vorkehrungen zum Schutze Dritter vor Gefährdungen zu treffen“. Die Spielgeräte, Rutschen, Trampolins, Pools und Tischtennisplatten müssten alle bis zum 30. Juni entfernt werden.

Das Argument der Sicherheit teilen die Anwohner sogar: „Wir wären natürlich bereit, nachzurüsten, Planen für die Pools zu holen und Tore anzuschaffen, damit niemand gefährdet wird, der auf das Gelände kommt“, fasst Iris Raab zusammen. „Aber nach jahrelanger Duldung und ohne Kompromissmöglichkeit, gerade jetzt in den Ferien, trifft uns das sehr“, meint eine junge Mutter mit zwei Kindern. „Wir pflegen die Grünanlagen, pflanzen Blumen und machen das Gebiet auch für andere Mieter schön“, sagt Yvonne Weermann. „Mit der Abbau-Forderung zerstört man willkürlich die gute Nachbarschaft und das Miteinander“, meint Enrico Kühne.

Das befürchtet auch Natascha Stammel: „Die Senioren freuen sich über spielende Kinder und sind so ein Teil unserer Gemeinschaft – dieses soziale Miteinander soll uns einfach genommen werden, wenn die Kinder nicht mehr draußen spielen. Das ist traurig.“ Auch der jugendpolitische Sprecher der SPD, Michael Dries, wünscht sich ein Einlenken von Vivawest: „An anderen Orten versuchen wir mühsam, eine solche Gemeinschaft aufzubauen, die hier gut funktioniert.“

Wie Vivawest-Sprecherin Katrin Lamprecht auf Nachfrage unserer Redaktion erläutert, sei dem Schreiben eine Mieterbeschwerde vorausgegangen: „Mieter aus dem Quartier haben sich darüber beschwert, dass Pools mit Allgemeinwasser befüllt und auf den Grünflächen aufgestellt werden.“ Bei einer Begehung seien viele Geräte auf Gemeinschaftsflächen festgestellt worden: „Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass die Kinder unserer Mieter bei schönem Wetter in der Ferienzeit gern draußen spielen, planschen und toben – insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung begrenzt sind“, betont Lamprecht. Das Unternehmen müsse allerdings Gefahrenquellen beseitigen. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die Mitarbeiter ungehinderten Zugang zu den Grünflächen haben.

Nach einem Kompromiss klingt das nicht.

Sie haben ein Anliegen? Sie können uns per Anruf (Montag bis Freitag) unter der Telefonnummer 02133 2560314 erreichen. Oder schreiben Sie uns eine E-Mail (bitte Rückrufnummer angeben), Stichwort „Bürgermonitor“, an dormagen@ngz-online.de.