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Dormagen: Proteste gegen TDI-Anlage

Dormagen : Proteste gegen TDI-Anlage

Seit Mittwoch versuchen Umwelt- und Bayer-kritische Verbände im Technischen Rathaus die geplante TDI-Anlage von Bayer auseinanderzunehmen. Der Erörterungstermin ist Grundlage für die Entscheidung der Bezirksregierung.

Der Ton im Technischen Rathaus an der Mathias-Giesen-Straße ist scharf wie in einem Gerichtssaal. Vertreter von Bayer MaterialScience und von Umwelt- und Bayer-kritischen Verbänden sitzen sich frontal gegenüber wie zwei Rugby-Mannschaften vor der Kollision. Es geht nicht nur um den geplanten Bau einer Anlage für die Produktion von Toluylendiisocyanat, kurz TDI. Es geht auch um die Zukunft des Standorts Dormagen. Und ein wenig ums Prinzip.

Ein Erörterungstermin sollte gestern noch offene Fragen über den Bau der geplanten TDI-Anlage klären. Ab 2014 soll dann im Zentrum des Chemparks TDI hergestellt werden. Aus dem Weichschaum werden später Fahrzeugsitze, Matratzen oder Bürostühle.

Grundlage für Bezirksregierung

Der Tag sollte auch die Grundlage bieten für die Entscheidung der Bezirksregierung Köln, die unter der Leitung von Karin Lücking den Tag moderierte: "Aus Sicht der Behörde ist der Antrag in der fortgeschrittenen Prüfung", so Lücking. 60 Einwendungen sind bei der Bezirksregierung eingegangen, davon 52 Mustereinwendungen aus dem Internet. Die Liste der Themen, die gestern abgearbeitet werden soll, war dementsprechend lang: Rechtsfragen sollen genauso geklärt werden wie mögliche Probleme mit Schall, Abfall, Anlagensicherheit oder ein Störfall.

Dieter Donner aus Hilden, der schon gegen die CO-Pipeline von Dormagen nach Uerdingen gekämpft hatte, moniert, dass zu artenschutzrechtlichen Untersuchungen nichts gesagt worden sei. Die Gegner der TDI-Anlage fürchten, dass mehr gefährliche Stoffe in die Umwelt gelangen könnten als von Bayer angegeben. Kritische Fragen wurden zudem zur Versicherungssumme und einer möglichen Wechselwirkung zwischen den Anlagen im Störfall gestellt.

BMS-Sprecher Ralf Güther zeigte sich in einem ersten Zwischenfazit gestern Nachmittag zufrieden: "Der Dialog verläuft ruhig." Er habe das Gefühl, dass Bayer offene Fragen beantworten könne. Produktionsleiter Dieter Kuhne legte werde darauf, dass der Energieverbrauch bei der Herstellung von TDI deutlich gesenkt werden könne und der Chempark keine signifikanten Emissionen mehr ausstoße.

Für den möglichen Störfall probe die Werksfeuerwehr verschiedene Szenarien. Seit 2004 forscht BMS an einer Pilotanlage, Produktionsleiter Dieter Kuhne spricht von einer wichtigen Investition in Dormagen. 150 Millionen Euro will das Unternehmen in die Anlage investieren, die 120 mal 28 Meter lang und 30 bis 50 Meter hoch gebaut werden soll.

Am Freitag soll der Erörterungstermin fortgeführt werden.

(NGZ/rl)