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Dormagen: Profis sollen Kloster vermarkten

Dormagen : Profis sollen Kloster vermarkten

Der Spiritaner-Orden will Gelände und Gebäude im Kloster Knechtsteden professioneller vermarkten und vermieten, um die Einnahmesituation zu verbessern. Dabei will der Orden nicht selbst zum Unternehmer werden.

Es ist ruhig an diesem Werktagnachmittag auf dem Klostergelände, auf dem nur ein paar Schüler des Norbert-Gymnasiums spazieren. "Zu ruhig", murmelt Lothar Keiser. "Aber daran wollen wir ein bisschen was ändern." Der 57-jährige Betriebswirt aus Meerbusch versucht seit eineinhalb Jahren als Verwaltungsleiter der Spiritaner einen Spagat – zwischen dem Erhalt klösterlicher Strukturen und Kontemplation und dem kaufmännisch motivierten Versuch, die Klosterfinanzen auf eine solide Grundlage zu stellen. "Es wäre wichtig, mehr aus dem wunderschönen Gelände zu machen. Es ist die einzige Einnahmequelle, mit der sich das Ganze hier erhalten lässt", sagt Keiser – nicht nur mit Blick auf das halb leerstehende Pilgerhaus.

Mit "mehr" meint Keiser mehr Leben, mehr Besucher, mehr Vermietungen, mehr Marketing. "Doch ich bin kein Event-Manager." Deshalb führt er Gespräche mit Marketing-Profis und Event-Agenturen, die das Veranstaltungsmanagement und die Vermietung des Kulturhofs professionalisieren sollen. "Bislang laufen etwa private Feiern nur über Mundpropaganda. Das soll sich ändern." Schon in wenigen Wochen soll klar sein, wer für das Veranstaltungsmanagement ernstlich in Frage kommt.

Erste konkrete Schritte für mehr Attraktivität und Service sind verwirklicht, etwa die sanierten, behindertengerechten Toiletten, die durch Spenden finanziert wurden. "Das scheinbar Banale ist manchmal das Erste, an das man denken muss." Zudem ist der Klosterladen künftig zu den Bürozeiten, also auch werktags von 9 bis 17 Uhr, am Wochenende weiterhin von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Orden will mehr Leben im Kloster, ohne dessen geistlichen und kulturellen Charakter zu verleugnen. "Wir sind nicht Kloster Andechs", sagt Keiser, "und auch nicht Münsterschwarzach." Doch ihm ist klar, dass die Basilika, die auf dem Gelände angesiedelten Institutionen und Veranstaltungen wie das Festival Alte Musik, der Theatersommer oder die Märkte keinen permanenten Publikumsverkehr schaffen. "Besucher wollen etwas sehen – und sie wollen in dem herrlichen Ambiente einkehren." Zu Keisers Wünschen gehören daher die Aufbereitung des alten Handwerkertrakts für Technik-Interessierte, ein Museum mit afrikanischer Kunst, die die Missionare einst mitbrachten – und ein "Kunstkabinett" im Raum neben der Werkstatt, in dem Kunst, Kaffee und Kuchen zur Einkehr laden. Auch neue Nachbarn kann er sich vorstellen, etwa ein Architekturbüro im Pilgerhaus. Für all das braucht es Mieter und Betreiber – Menschen und Investoren, die das Kloster erhalten und beleben wollen.

(NGZ)