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Dormagen: Preis für Film über Kinderrechte

Dormagen : Preis für Film über Kinderrechte

"Geboren, um zu leben" lautet der Titel des Films, den die Hildegardgruppe des Raphaelshauses als Beitrag zum Kinderrechte-Preisausschreiben des Kölner Caritasverbandes einreichte. Dafür gab's den zweiten Platz.

Ein Baby liegt auf einer schicken Decke auf dem Boden mit jeder Menge Spielzeug. Die Eltern sitzen auf dem Sofa, ihr lebhaftes Kind scheint sie nicht sonderlich zu interessieren. Szenenwechsel: Ein anderes Baby liegt weinend auf einer schmuddeligen Decke. Die Mutter liegt auf dem Sofa und telefoniert. Auch ihr scheint ihr Kind egal zu sein.

Das sind die beiden ersten Sequenzen eines Films, der in zehn Minuten das Leben von zwei Mädchen bis zum Teenageralter zeigt. Das eine lebt zwar im Wohlstand, ist ihren Eltern aber lästig. Um Ruhe zu haben, zücken sie regelmäßig das Portemonnaie. Das andere lebt in ärmlichen Verhältnissen, wird aber ebenfalls von der Mutter nur als nerviges Anhängsel gesehen. Ihre Rettung: die Hildegard-Gruppe des Raphaelshauses. Dorthin kommt sie als Teenager und dort erfährt sie zum ersten Mal Anerkennung, Respekt und Freundschaft, während das reiche Mädchen sich schließlich auf der Toilette das Leben nimmt — Filmende.

Den Film haben die acht 13- bis 17-jährigen Mädchen der Hildegardgruppe als Beitrag zum Kinderrrechte-Preisausschreiben des Kölner Caritasverbandes eingereicht. 19 Gruppen hatten ihre Unterlagen abgegeben. Websites, Fotos, Spiele, Collagen, CDs oder DVDs waren dabei. Die Hildegardgruppe hatte sich bereits während einer Ferienfahrt im März für einen Film entschieden. "Wir waren uns schnell einig, dass wir die Lebensläufe von zwei Mädchen darstellen wollten", sagt Natascha (17) und fügt hinzu: "In das Drehbuch flossen auch eigene Erfahrungen ein."

Der Film kommt ohne Worte aus, dennoch spricht er eine sehr deutliche Sprache. Untermalt wird er von Musik, zu jeder Sequenz wird ein Kinderrecht eingeblendet — genau jenes, das nicht eingehalten wird. Als Schauspieler agierten sowohl die Mädchen selbst als auch die pädagogischen Fachkräfte und deren Kinder.

"Beim Dreh half uns allerdings ein Kameramann", sagt Sonja Backer vom Pädagogenteam. Sie selbst spielte die gut betuchte Mutter. Zwei Wochenenden haben die Mädchen geprobt, gefilmt, Szenen immer wieder wiederholt, bis sie "im Kasten" waren. "Es war mega anstrengend", sagt Natascha und Natalie fügt hinzu: "Aber es war ein angenehmer Stress." Gelohnt hat sich der Aufwand allemal. Auch wegen des Preisgeldes von 750 Euro. Das kommt nun in die Gruppenkasse und wird für Urlaubsfahrten verwendet werden. Da es auch Aufgabe war, die Kinderrechte anderen näher zu bringen, haben die Mädchen ihren Film auch in mehreren Dormagener Schulen gezeigt.

Insgesamt haben fünf Gruppen aus dem Raphaelshaus an dem Wettbewerb "Justine" teilgenommen. Der zum ersten Mal verliehene Originalitätspreis ging an die Tagesgruppe Raphael I für die Entwicklung eines Brettspiels.

(NGZ)