Dormagen: Praxisnetz Dormagen lehnt neue Gesundheitskarte ab

Dormagen : Praxisnetz Dormagen lehnt neue Gesundheitskarte ab

Dr. Norbert Sijben ist Allgemeinmediziner mit Praxis in Zons und Sprecher des Praxisnetzes Dormagen, das bekannt dafür ist, offensiv Position zu Themen der Gesundheitspolitik zu beziehen. Heftige Kritik üben die Ärzte an der neuen Gesundheitskarte.

Herr Sijben, welche Bedenken haben Sie gegen die Gesundheitskarte?

Sijben In erster Linie datenschutzrechtliche Bedenken. Die neue Gesundheitskarte zielt auf eine zentrale Datenspeicherung hin. Die Patientendaten sollen über das Internet geleitet und auf Internetservern in zentralen Patientenakten gespeichert werden. Außerdem sollen Rezepte und so genannte Notfalldaten nur noch auf der Karte gespeichert werden. Doch die Datenskandale der letzten Zeit zeigen ja, wie löchrig die Sicherheiten in Computersystemen sind. Es ist nicht klar, wer auf die Datensätze zugreifen kann. Außerdem werden viele Aspekte in Zusammenhang mit der Karte falsch kommuniziert.

Können Sie das näher erläutern?

Sijben Den Patienten wird suggeriert, wichtige Krankheitsdaten würden auf der Karte gespeichert, zum Beispiel ihre Blutgruppe. Tatsächlich wird im akuten Notfall eine Art Standardblutkonserve verwendet und die Blutgruppe im Krankenhaus neu geprüft. Der Vermerk der Blutgruppe auf der Karte wäre also nicht unbedingt notwendig, um Leben zu retten.

Wie stehen Sie zu den Passfotos auf der neuen Gesundheitskarte?

Sijben Ich rate meinen Patienten zunächst davon ab, ein Passfoto bei ihrer Krankenkasse einzureichen.

Warum?

Sijben Die von den Krankenkassen geforderten Passfotos bringen für die Patienten keine Verbesserung. Sie kosten nur Geld, das besser in die Direktversorgung gesteckt würde. Das Argument der Kassen lautet, Verhinderung von Missbrauch. Andere Unternehmen haben festgestellt, dass das Foto auf der Karte Missbrauch keinesfalls verhindert.

Was sagen die Patienten, wenn Sie davon abraten, ihr Foto einzureichen?

Sijben Viele Patienten fragen um Rat. Ich erläutere ihnen die Bedenken der Ärzteschaft, die sich bundesweit in der Aktion "Stoppt die E-Card" zusammengeschlossen haben. Wir haben ein Musterformular mit Fragen vorbereitet, die Patienten an ihre Kasse richten können.

Was sind das für Fragen?

Sijben Sie sollen helfen, nachzuvollziehen, was mit den Daten passiert: wo sie gespeichert werden, wer das Löschen garantiert und welche gesetzlichen Grundlagen es gibt.

Müssen Patienten befürchten, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie die Fotos nicht einreichen?

Sijben Das auf gar keinen Fall. Die Patienten können bis jetzt nicht dazu gezwungen werden. Wir raten, die alten Karten weiter zu verwenden.

Laura Lotz führte das Gespräch.

(NGZ)
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