Politik in Dormagen: CDU setzt personellen Umbruch fort

Politik in Dormagen : CDU setzt personellen Umbruch fort

Bei ihrer Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl 2020 wurden neben der Wahl von René Schneider zum Bürgermeister-Kandidaten auch die 22 Wahlkreise besetzt. Mit dabei sind viele Neue.

Mehr Unterstützung geht kaum: Unmittelbar nach seiner Wahl zum Bürgermeister-Kandidaten der CDU erhielt René Schneider am Montag Abend prominente Rückendeckung: Bundestagsabgeordneter Hermann Gröhe, der in der Kulturhalle einer der ersten Gratulanten war, meldete sich gleich als „erster Nicht-Dormagener für dein Wahlkampf-Team“ an. Zuvor hatten 74 stimmberechtigte Mitglieder Schneider mit 94,3 Prozent ein starkes Zustimmungs-Votum gegeben.

Wollen für die CDU in den Stadtrat, v.l.: Willi Beivers, Hans-Joachim Krapp, Alessio Selalmatzidis, Daniel-Marc Samardzic. Foto: Klaus D. Schumilas schum

Schneider steht auch auf Platz eins der später verabschiedeten Reserveliste der CDU, gefolgt vom Fraktionsvorsitzenden Kai Weber. Diese Platzierung will der 53-Jährige am liebsten gar nicht in Anspruch nehmen, sondern seinen Wahlkreis 20 Stürzelberg/St. Peter gewinnen. Wird er im Herbst 2020 nicht zum Bürgermeister gewählt, so wird er aber seine dann schon vierte Ratsperiode (bisher 1999-2014) bestreiten. Der gelernte Speditionskaufmann Schneider, der heute als Logistikexperte bei der international agierenden EMS-Spedition in Hackenbroich arbeitet, legte in seiner Bewerbungsrede, nach der er von den Christdemokraten mit stehendem Beifall gefeiert wurde, gleich ein Arbeitspapier vor. Darin geht es um Finanzen, Wohnen, Digitalisierung. Schneider fordert einen „strukturell ausgeglichenen Haushalt. Wir werden bestehende Schulden nach und nach abbauen.“ Die Perspektive, dass in Hackhausen einmal 325 neue Wohneinheiten entstehen könnten, bezeichnete er als „schlichtweg falsch“.  Die Digitalisierung sei das Thema der Zukunft. Aber noch nicht ausreichend im Rathaus angekommen: „Es muss für die Bürger möglich sein, Routinedienstleistungen der Stadt 24 Stunden am Tag abzurufen“.

Drei neue Frauen bietet die CDU als Kandidatinnen auf:  Andrea Lenden, Cordula Krücken, Anissa Saysay, v.l. Foto: Klaus D. Schumilas schum/Klaus D. Schumilas schu

Für den Wahlkampf gab er als Prämisse aus, dass den „Bürger kein 40seitiges Wahlprogramm interessiert, sondern die aktive Arbeit vor Ort.“ Und weiter: „Die Bürger müssen sagen: Ich werde von der CDU mit meinen Sorgen und Problemen ernst genommen, und es werden Lösungen erarbeitet. Das ist Kärrnerarbeit, aber das ist unsere politische Zukunft“, sagte er kämpferisch.

Die CDU hat als erste Partei in Dormagen ihre Mannschaft für die 22 Wahlkreise vorgestellt und gewählt. Mit diesem Team soll der personelle Umbruch fortgesetzt und jüngere Männer und Frauen in den Stadtrat einziehen. Aufhorchen lässt indes zunächst einmal das Comeback einer „grande dame“ der Dormagener Politik, Elke Wölm (74). Sie saß schon im Stadtrat und Kreistag, führt jetzt den Ortsverband Dormagen, kandidiert im Wahlkreis Horrem III und wird angesichts des Listenplatzes drei sicher in den neuen Rat einziehen. Fraktionsvorsitzender Kai Weber weiß die Erfahrung Wölms zu schätzen; er freut sich auch über viele Neue, die dazu stoßen werden. Darunter drei Frauen, die gute Chancen haben, Teil der CDU-Ratsmannschaft zu werden: Anissa Saysay ist bereits Sachkundige Bürgerin und Schulexpertin, sie belegt einen aussichtsreichen Listenplatz zehn. Einen Platz hinter Andrea Lenden, die 51 Jahre alte Diplom-Sozialarbeiterin kandidiert in Zons. Neu im Rat wäre auch Diplom-Biologin Cordula Krücken (42), die im 2014 von der CDU gewonnen Wahlkreis Stürzelberg II antritt und auf der Liste mit Rang zwölf auch noch chancenreich platziert ist, wenn die CDU ihr Wahlergebnis verbessert. Dazwischen auf Rang elf ist der neue Vorsitzende der Jungen Union, Alessio Selalmatzidis, platziert, der im Wahlkreis Hackenbroich III antritt.

Fünf Frauen kandidieren für die CDU in den Wahlkreisen, ebenso viele stehen auf der Reserveliste unter den ersten 15. Stadtverbandsvorsitzender Hans-Ludwig Dickers hätte sich gerne mehr aktive Frauen gewünscht, vor allem für die nachfolgenden Plätze, „aber dann sind uns bei der Besetzung leider die Frauen ausgegangen“, bedauert er. Auch Kai Weber – der in der nächsten Wahlperiode wieder für den Fraktionsvorsitz kandidieren wird – würde sich eine noch stärkere Mitwirkung von Frauen wünschen, zeigte sich aber ansonsten mit dem Ergebnis der Aufstellungsversammlung sehr zufrieden: „Wir haben in einer sehr harmonischen Versammlung ein starkes Team gewählt.“

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