Dormagen: Politik diskutiert Ärztemangel

Dormagen : Politik diskutiert Ärztemangel

Im Hauptausschuss am Dienstag will die Verwaltung eine Anfrage der CDU-Fraktion zur Situation der medizinischen Versorgung in Dormagen beantworten. Ob ein Mangel droht? Experten beurteilen die Lage unterschiedlich.

Dr. Norbert Sijben, Allgemeinmediziner in Dormagen und Vorsitzender des Gesundheitsforums, wählt gerne deutliche Worte – und warnt vor einem absehbaren Mangel an Hausärzten in Dormagen. "Schon in zum Teil naher Zukunft wollen fünf Hausärzte ihre Praxistätigkeit aufgeben und suchen bereits Nachfolger", schrieb der Mediziner jüngst in einem offenen Brief an die CDU-Fraktion. Die hat inzwischen bei der Verwaltung um eine Info zur Situation der ärztlichen Versorgung in der Stadt gebeten; der Antrag wird im nächsten Hauptausschuss zum Thema.

Droht Dormagen der Ärztemangel? "Im Prinzip nicht", sagt Dr. Gerhard Steiner. Der Allgemeinmediziner aus Neuss, Kreisstellenvorsitzender der KV Nordrhein, hat die Anfrage der Stadt Dormagen bereits beantwortet und nennt die wichtigsten Ergebnisse: "Es sind genug Ärzte da, und in den kommenden Jahren ist auch nicht mit einem akuten Mangel an Hausärzten zu rechnen", sagt er. Klar sei: "Nicht jedes Dorf hat noch seinen eigenen Arzt – diese Zeiten sind vorbei." In Dormagen und den Nachbarkommunen im Rhein-Kreis aber gebe es keine Probleme, auch nicht bei der Nachwuchssuche, die für eine Reihe Dormagener Ärzte längst begonnen hat.

Der Gynäkologe Karl Heikaus, der das Praxisnetz leitet, sieht das etwas anders: "Ärztemangel und Überalterung erfordern eine Neuaufstellung", hatte er gegenüber der NGZ erklärt. Die Nachfolgesuche gestalte sich bei einigen Praxen insbesondere im Bereich Dormagen-Mitte als schwierig.

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Aktuell gibt es in Dormagen 45 Hausärzte, dazu gehören Praktische Ärzte, Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten. Der Altersschnitt ist relativ hoch: Vier Ärzte sind zwischen 30 und 39 Jahre alt, 14 sind 40 bis 49 Jahre, 14 zwischen 50 und 59 Jahre, 13 sogar schon über 60. "Dennoch gehört Dormagen nicht zu den Gemeinden, denen nach unserer Hochrechnung eine Unterversorgung droht, wenn alle Ärzte über 60 ihre Praxen abgeben würden, ohne einen Nachfolger zu finden", erklärt Karin Hamacher von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Dass kein akuter Mangel herrscht, liegt aus Sicht der KV daran, dass die Ärzte lange im Dienst bleiben: "Die meisten Hausärzte arbeiten bis 68", sagt Gerhard Steiner. Dass sich der Nachwuchs ziert und daraus in einigen Jahren Probleme resultieren könnten, schließt der Mediziner nicht aus. "Es fehlen nicht nur finanzielle Anreize, es fehlt die finanzielle Basis für Allgemeinmediziner." Das führt in ländlicheren Regionen zu Engpässen, der durch gezielte Förderung des Landes begegnet werden soll.

(NGZ)
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