Das schmiedeeiserne Dachreiterkreuz von St. Michael: Platz im Innenhof des Paradieses

Das schmiedeeiserne Dachreiterkreuz von St. Michael : Platz im Innenhof des Paradieses

Das Dachreiterkreuz von St. Michael - wer weniger als 33 Jahre alt ist, weiß meist überhaupt nicht, dass es existiert. Die neugotische Kirche wurde im Jahr 1888 fertig gestellt, und zur Krönung des Gebäudes wurde besagtes Kreuz auf der Spitze platziert. Ende Ende 1970 wurde ein Teil der alten Kirche abgerissen - und zwar genau derjenige, auf dem sich das Kreuz befand.

So wurde das schöne schmiedeeiserne Kreuz abmontiert und erst einmal im Turmaufgang deponiert. Da lag es nun die kommenden Jahrzehnte, geriet in Vergessenheit und rostete langsam vor sich hin. Bis es Dechant Assmann, Pastor an St. Michael, wieder ins Auge fiel. Um das gute Stück vor der Verschrottung zu bewahren, hatte der findige Kirchenmann eine prima Idee: Wie wäre es, wenn das Kreuz, das so viele Jahre weithin sichtbar die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi verkündet hat, restauriert würde und einen Ehrenplatz bekäme?

Finanzkräftige Spender wurden gesucht und gefunden. Die Messdiener hatten zum Namenstags-Kaffee ins Paradies der Kirche geladen, zum Michaelsfest im September vergangenen Jahres. Und dort konnten die Gemeindemitglieder das Kreuz zum ersten Mal selbst in Augenschein nehmen. Dann ging eine regelrechte Detektivarbeit los.

Denn wo genau hatte das Dachreiterkreuz die 80 Jahre hoch über Dormagen gestanden, hatte Regen, Sturm und Wind erfolgreich getrotzt, sogar zwei Weltkriege unbeschadet überstanden? Alte Fotografien führten die Spürarbeit schließlich zum Erfolg. Denn auf diesen war unzweifelhaft die ehemalige Position des vergessenen Stückes zu erkennen.

"Drei Dormagener Fachunternehmen haben sich um die Instandsetzung des Dachreiterkreuzes verdient gemacht", berichtet Guido Assmann. Zunächst einmal musste der wuchernde Rostbefall entfernt und durch frische Farbe ersetzt werden. Die Handwerker griffen zum Sandstrahler, beschichteten das Kreuz mit Eisenglimmer-Farbe in dunkelgrau. Damit das Kreuz die nächsten Jahrzehnte die nötige Standfestigkeit hat, stellte ein Steinmetz einen Sockel aus dunklem Granit her.

Am Palmsonntag wird die Gemeinde das "neue" Kreuz bestaunen können. Es wird in der gesamten Kar- und Osterwoche im Altarraum aufgestellt sein und den Festtagen entsprechend geschmückt werden. Somit wird es eine besondere Rolle in der Liturgie an St. Michael spielen.

Palmsonntag soll eine rote Stola Christus symbolisieren; Gründonnerstag die weiße Stola. Am Karfreitag wird es im Mittelpunkt der der traditionellen Kreuzverehrung stehen und Ostern mit der Osterkerze und Blumen geschmückt in frischem Glanz erstrahlen. Seinen endgültigen Platz wird das Kreuz im Innenhof des Paradieses bekommen. "Dort wird es wieder sichtbar stehen und kann so seine eigentliche Aufgabe erfüllen, nämlich uns an das Sterben zu erinnern und gleichzeitig von der Hoffnung und Auferstehung zu verkünden", so Pfarrer Guido Assmann. Christoph Pütz

(NGZ)