Pläne der Bezirksregierung: Aufregung um Wohnungsbauflächen in Dormagen

Wohnen in Dormagen : Widerstand gegen Mega-Wohnungsbaupläne

Die Bezirksregierung hat im neuen Regionalplan umfangreiche Wohnbauflächen für Dormagen festgelegt – allein in Hackenbroich und Hackhausen für rund 1400 Wohneinheiten. Dagegen regt sich Widerstand.

Montag Nacht ist die Einspruchsfrist gegen den Regionalplanungs-Entwurf im Regierungsbezirk Düsseldorf abgelaufen. Auf dem Schreibtisch der Verantwortlichen wird es auch einen Stapel von Briefen aus Dormagen geben. Genauer gesagt aus dem kleinen Ortsteil Hackhausen. Denn dort herrscht große Unruhe wegen der Planung. Würde sie umgesetzt, würde sich die Einwohnerzahl dort verdreifachen. Insgesamt umfassen die Pläne in dem Entwurf für ganz Dormagen Flächen, auf denen über 2800 Wohneinheiten gebaut werden könten. Die Stadt beruhigt und spricht von Optionen, die aber im kommenden Flächennutzungsplan der Stadt, in dem schon konkretere Vorhaben aufgenommen werden, nicht berücksichtigt würden.

Robert Ullrich ist am Sonntag in Hackhausen gewesen. Dort stellte sich der Leiter des Stadtplanungsamtes den Fragen und der Kritik von Bürgern. Mit 50 Interessenten waren „zwölf Prozent der Hackhauser Einwohner anwesend“, wie Andrea Ooster, eine der Initiatoren des Widerstands, stolz anmerkte. „Wir sind nicht gegen den Bau von neuen Häusern hier, aber wir wollen diese Festlegungen im Regionalplan verhindern. Denn die Einwohnerzahl würde dadurch explodieren.“ Ullrich betonte, dass die Stadt wegen des grundsätzlich hohen Bedarfs Interesse an den Flächen habe und „froh ist, dass so viele Flächen von der Bezirksregierung angeboten werden“. So werde man auch versuchen, diese Flächen im Regionalplan zu behalten.

Dabei spricht einiges gegen die ausgewiesenen Flächen, sagen die Initiatoren von „hackhausener.de“, wie sie sich nennen. In Hackenbroich geht es um drei Flächen: die erste ist 192.000 Quadratmeter groß und liegt gegenüber dem Krankenhaus, die zweite hat sechs Hektar weniger und liegt in der Nähe des Waldsees, sowie Nummer drei in Hackhausen mit 9,3 Hektar (325 Wohneinheiten) gegenüber des Tierheims, nahe des Randkanals. Diese Fläche ist problematisch wegen der Nähe zu Ineos und eventuell einzuhaltenden Abstandsflächen aufgrund des Seveso III-Gutachtens,. Ebenso wegen ökologischer Bedenken, Lärm, Geruch. Hinzu komme, dass in dieser Planung auch Privatflächen mit veranschlagt worden sind. „Allein schon aus diesem Grund ist auch die Bewertung (die Bezirksregierung hat für alle Flächen eine Bewertungsmatrix erstellt, Anm. d. Red.) mit zehn Punkten für ,alles im städtischen Besitz’ schlichtweg falsch“, sagt Ooster, „und die vorherige Offenlegung der Planung nicht rechtskräftig“. Die Anwohnerinitiative ist bereit, gegen das geplante Vorhaben durch die entsprechenden Instanzen zu gehen und eine Klärung herbeizuführen.

Die Stadt sieht zum einen den „Eigenbedarf“ für Wohnbauflächen, dem beispielsweise aktuell durch das Baugebiet Nievenheim IV und bald durch das Beethovenquartier und das große Baugebiet Malerviertel III Rechnung getragen wird. Zum anderen gibt es den „Fremdbedarf“ durch den hohen Wohnungsdruck an der Rheinschiene, ausgelöst durch die Metropolen Köln und Düsseldorf. Nach einer Berechnung aus dem vergangenen Jahr sieht die Bezirksregierung für Dormagen einen Wohnungsbedarf bis 2040 von gut 4300 Wohnungen. Im aktuellen Flächennutzungsplan, der vor der Verabschiedung steht, wird ein Potenzial von knapp 3000 ausgewiesen.

Vor diesem Hintergrund kommen die Flächenausweisungen der Bezirksregierung zustande. Für das Malerviertel (weitere) 109.000 Quadratmeter (390 Wohneinheiten), für den nördlichen Bereich von Rheinfeld 181.000 Quadratmeter mit rund 630 Wohneinheiten, für „Gansdahl“ in Delhoven 18.000 Quadratmeter mit mindestens 60 Wohneinheiten für Ückerath 95.000 Quadratmeter mit rund 670 Wohneinheiten – alles über die bisherigen Planungen der Stadt hinaus.