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Pilze sammeln in Dormagen: Was es zu beachten gilt

Sammeln in Dormagen : Pilzsammler müssen sich gedulden

Es braucht ein bisschen Regen, aber dann werden es wieder mehr Pilze in Dormagener Wäldern wie Tannenbusch und Gohrer Broich. Beim Sammeln gibt es aber einiges zu beachten, und nicht überall ist es erlaubt.

Ob Steinpilz, Pfifferling oder Maronen-Röhrling: Der Herbst ist die Zeit der Pilzgerichte. Und so machen sich jetzt wieder viele Sammler auf der Suche nach Leckerbissen auf in den Wald. Revierförster Theo Peters hat mit ihnen nicht nur gute Erfahrungen gemacht und rät allen Waldbesuchern, die Natur zu respektieren und das Ökosystem nicht zu stören. Denn Pilze haben wichtige Aufgaben im Wald, und sie dürfen auch längst nicht überall gesammelt werden. Sie zersetzen totes organisches Material wie Holz, Laub oder Nadelstreu. Auf diese Weise halten sie den Nährstoffkreislauf im Ökosystem in Gang.

Im Knechtstedener Wald – ein Naturschutzgebiet und Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) – ist das Verlassen der Wege und damit das Sammeln von Pilzen grundsätzlich verboten. Erlaubt ist es dagegen in der Zonser Heide, im Tannenbusch oder im Gohrer Broich. Aber auch dort sei es derzeit schwierig, Speisepilze zu finden: „Es ist viel zu trocken. Pilze benötigen zum Wachsen ein feuchtes Milieu“, erklärt der Förster. Dafür müsste es erst einmal kräftig regnen, damit die Pilze sich entwickeln können.

Wer Glück hat, kann in den Dormagener Wäldern Schirmlinge, Riesenboviste, Maronen-Röhrlinge, Wiesenchampignons oder Hallimasch finden. Dagegen kämen Steinpilze oder Pfifferlinge hier selten bis gar nicht vor: „Wer es auf diese Sorten abgesehen hat, wird eher in der Eifel fündig“, weiß Revierförster Peters.

Zu den Sammel-Regeln in Dormagen gehört auch, dass die Mengen begrenzt sind – es darf nur der Eigenbedarf mitgenommen werden – und dass man beim Abschneiden vorsichtig vorgehen sollte, um das Mycel nicht zu beschädigen. Dabei handelt es sich um ein feines Geflecht im Boden, das neben dem sichtbaren Fruchtkörper ebenfalls Teil des Pilzes ist. Ein weiterer Wunsch: „Die Stelle, an der der Pilz abgeschnitten wurde, sollte wieder mit Waldboden bedeckt werden“, so der Förster. Sein wichtigster Rat an alle Pilzsammler aber lautet, sich bereits vor dem Ausflug gründlich zu informieren oder direkt einen Experten mitzunehmen. Auf diese Weise bleiben ungenießbare oder gar giftige Pilze dort, wo sie hingehören – im Wald.

Bei einer Exkursion der Volkshochschule Dormagen in den Knechtstedener Wald geht es dagegen nicht um das Sammeln und Verspeisen von Pilzen: Im Vordergrund steht am Sonntag, 20. September, ab 9 Uhr das Kennenlernen und Bestimmen der unterschiedlichen Arten. „Wir wollen unser Wissen erweitern und die verschiedenen Pilze erkennen“, verdeutlicht Dr. Regina Thebud-Lassak, die bereits seit 1978 Exkursionen dieser Art anbietet. „Wir werden essbare, ungenießbare und auch giftige Pilze sehen, und die Fotografen werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen“, so die Wissenschaftlerin.

Hinsichtlich ihrer Ernährung lassen sich Pilze in drei Gruppen einteilen: Saprophyten, die die organischen Stoffe im Waldboden zersetzen, Mykorrhiza, die in Symbiosen mit Bäumen leben, wobei beide Seiten von dieser Gemeinschaft profitieren, und Parasiten, die Bäume angreifen und zerstören können. Zu den Parasiten gehört der Schlauchpilz Cryptostroma corticale, der aus Nord-Amerika eingewandert ist und die Rußrindenkrankheit auslöst. „Er befällt vor allem den Bergahorn“, erläutert Förster Peters. Betroffen seien ausschließlich durch Wassermangel und Hitze vorgeschädigte Bäume. Auch für den Menschen ist Vorsicht geboten: Die schwarzen Pilzsporen, die sich in der Luft verteilen, verursachen Atemwegsprobleme und können eine Entzündung der Lungenbläschen auslösen.

Bei der Dormagener VHS-Exkursion erfahren die Teilnehmer mehr über die drei unterschiedlichen Gruppen der Pilze. Zur erforderlichen Ausstattung gehört neben festem Schuhwerk ein Mund-Nasen-Schutz: „Die Maske muss während der gesamten Exkursion getragen werden“, informiert die Dozentin Thebud-Lassak, denn: „Wenn die Fotografen einen schönen Pilz entdecken, dann ist der nötige Sicherheitsabstand untereinander schnell vergessen“, so ihre Erfahrung auch aus der Zeit vor der Corona-Pandemie.

Ihr Rat an alle Pilzsammler lautet, das Exemplar der Wahl nicht nur von oben, sondern vor allem von unten gründlich zu untersuchen. So lasse sich beispielsweise der Champignon vom tödlich giftigen Knollenblätterpilz unterscheiden: „Beim Champignon werden die Lamellen rosa und dann braun, beim Knollenblätterpilz bleiben sie immer weiß.“