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Dormagen: Pflege auch für junge Menschen

Dormagen : Pflege auch für junge Menschen

Der Maltesestift St. Katharina ist die einzige Einrichtung im Rhein-Kreis Neuss, die sich um junge pflegebedürftige Menschen kümmert und für sie einen eigenen Wohnbereich hat. Dreizehn Plätze sind vorhanden.

Daniel S. (Name von der Redaktion geändert) ist großer Fan des 1. FC Köln. Als sich der 25-Jährige wünschte, live bei einem Heimspiel dabei zu sein, war dies nicht ganz so einfach. Der junge Mann leidet seit einem Unfall unter einem Schädel-Hirn-Trauma und lebt im Malteserstift St. Katharina in Hackenbroich. Aber Einrichtungsleiterin Barbara Kron besorgte das Ticket, und statt des Heim-Busses fuhr der Bruder mit Daniel ins Rhein-Energie-Stadion.

Keine ungewöhnliche Maßnahme, denn für die 13 Bewohner ist vieles anders im täglichen Ablauf. Sie gehören zum Kreis der jungen pflegebedürftigen Menschen in der Einrichtung. Dieser Schwerpunktbereich ist der einzige im gesamten Rhein-Kreis Neuss.

Als die Planungen für den Bau der Pflegeeinrichtung an der Dr. Geldmacher-Straße liefen, stand die Frage im Raum: Sollen wir Pflegeplätze speziell für junge Menschen ab 18 Jahren einrichten? "Für Unfallopfer, die nach Krankenhaus-Behandlung und Reha-Klinik noch nicht so weit sind, nach Hause zu können", sagt Pflegedienstleiter Marc Strobel, "oder für diejenigen mit wenig Aussicht auf ein selbständiges Leben." Zum Beispiel bei einer MS-Erkrankung.

Sie finden seit Mai vergangenes Jahres im Malteserstift einen eigenen Wohnbereich, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Denn die sind, das sagt Brigitte Rossmann, anders als die der pflegebedürftigen Senioren. In der Gruppe der 25- bis 55-Jährigen wird auf eine tägliche Dusche Wert gelegt, ebenso die ausführliche Rasur, möchten die Frauen geschminkt werden. "Das Hygieneverhalten ist bei der Kriegsgeneration anders als bei den jungen Leuten", sagt Rossmann.

Die Nachfrage nach den 13 Plätze in dem insgesamt 85 Plätze großen Haus ist rege. Das liegt auch an der unmittelbaren Nachbarschaft des Kreiskrankenhauses, "wo es schnell mal eine Anfrage gibt, ob ein Platz belegt werden kann", so Strobel. Es kommen aber auch Anfragen aus Düsseldorf, Wesel oder Oberhausen.

Warum stellen sich nicht mehr Einrichtungen im Rhein-Kreis diesem Thema? "Vielleicht scheuen viele das Risiko, ob sie die Plätze auch belegt bekommen", mutmaßt Strobel. "Natürlich sind auch Umbaumaßnahmen nötig. Wir konnten aufgrund des Neubaus diese Plätze direkt mit einplanen."

Im Schwerpunktbereich junge Pflege sind die Zimmer etwas geräumiger. die von anderen Wohnbereichen abgelegene Lage erklärt sich auch durch besonderes Freizeitverhalten: "Die Bewohner hören natürlich nicht WDR 4, sondern eher Rockmusik und anderes." Da ist Abstand hilfreich. Strobel: "Ansonsten ist das Miteinander aber gut ausgeprägt. Man hilft sich."

(NGZ/rl)