Dormagen: Pfarrer erläutert Jesu Leidensweg-Stationen

Dormagen: Pfarrer erläutert Jesu Leidensweg-Stationen

In Jerusalem buchstäblich im Evangelium spazieren gehen - Pfarrer Peter Stelten gibt Impulse für Gründonnerstag und Karfreitag.

Das höchste Fest der Christen ist das Osterfest, an dem die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird. "Es ist der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Kirchenjahres, das Herz unseres Glaubens", erklärt Pfarrer Peter Stelten von St. Michael Dormagen. Auch die letzten Tage der Fastenzeit, die Liturgie an Gründonnerstag und Karfreitag, sind wichtige Tage für Christen: "Kreuzigung und Auferstehung sind das Entscheidende unseres Glaubens", weist Stelten darauf hin, dass diese beiden Tage 50 Tage lang bis Pfingsten gefeiert werden und bedeutender als Heilig Abend sind. "Weihnachten ist ein wichtiges Fest, das mit der ganzen Familie gefeiert wird. Ostern ist jedoch weitaus dynamischer, weist uns den Weg zu Gott und zum Ewigen Leben", betont Stelten.

Besonders intensiv sind Jesu Leidensweg-Stationen im Heiligen Land an den realen Orten nachzuvollziehen, in Jerusalem. Der Israel-Kenner Stelten, der in den vergangenen zehn Jahren rund 20 Mal in Jerusalem war, hatte zuletzt im März 2017 eine Pilgergruppe von 36 Dormagenern ins Heilige Land begleitet. Im März 2019 ist eine weitere Pilgerfahrt geplant, die jedoch bereits fast ausgebucht ist. "Im Heiligen Land gehen wir buchstäblich im fünften Evangelium spazieren und werden dadurch selbst zu Botschaftern Gottes und Zeitzeugen", erklärte Stelten.

Nirgendwo sonst sind die Stationen besser und eindrucksvoller nachzuvollziehen als in Jerusalem: Von der Dormitioabtei auf dem neuen Berg Zion, in deren Nähe sich der Saal des Letzten Abendmahls befunden hat, in dem sich die Jünger Jesu auch zu Pfingsten trafen, über den Weg durch das Kidrontal zum Ölberg mit dem Garten Gethsemane, wo Jesus betete und gefangen genommen wurde, bis zur "Via Dolorosa", dem Kreuzweg Jesu vom Amtssitz des Pilatus, der in der Nähe des Löwentors vermutet wird. Und bis zum Golgotha-Hügel, auf dem die Grabes-, bzw. Auferstehungskirche, wie sie die griechisch-orthodoxen Christen bezeichnen, errichtet wurde. "Neben dem Kreuzigungs- und Grabesort weist das auch auf die Auferstehung hin, geht also über das Leiden und Sterben Jesu hinaus", so Stelten.

Die Diskussion über die Realpräsenz, über die wissenschaftliche Belegung der tatsächlichen Stätten des Evangeliums, wünscht sich Pfarrer Stelten offener: "Ich schließe mich der orientalischen Auffassung an: Wenn Gott Gott ist, kann er das alles. Auch einen Engel schicken, der Maria sagt: Was suchst Du den Lebenden bei den Toten." Glaube sei immer mystisch und geheimnisvoll. Auch wenn Stelten wissenschaftliche Nachweise schätzt, sind sie für ihn nicht allein entscheidend: "Für mich ist es mehr als eine schöne Erinnerung, dass Jesus beim Letzten Abendmahl nett mit den Jüngern zusammensaß, auch wenn die Auferstehung, die Wandlung und der Glauben nicht wissenschaftlich bewiesen werden können." Gerade im Heiligen Land werde dieses Mysterium ein Stück weit erfahrbar, nicht nur auf dem Leidensweg Jesu durch Jerusalem, aber eben auch. Für die NGZ-Leser gibt Pfarrer Stelten Impulse für Gründonnerstag und Karfreitag anhand einiger Stationen in Jerusalem.

(NGZ)