Dormagen: Pausewang plädiert fürs Lesen

Dormagen: Pausewang plädiert fürs Lesen

Schriftstellerin Gudrun Pausewang las gestern vor Schülern der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule und des Leibniz-Gymnasiums. Ihr Auftritt war ein Plädoyer für die Kraft der Fantasie und den Wert des Lesens.

Eine heile Welt sieht anders aus. Von einem Achtjährigen, der am Ende des Zweiten Weltkriegs verzweifelt seine Mutter und Schwester sucht, und im zerstörten Hamburg nur noch die Nachricht vom ihrem Tod findet, handelt eine Geschichte. Die andere erzählt vom Mittagessen im Haus einer soeben deportierten jüdischen Familie, deren Heim sofort nach ihrem Abtransport geplündert wird.

Nein, die Welt ist nicht heil. Gudrun Pausewangs Bücher, auch die für Kinder und Jugendliche, erzählen oft von Krieg, Not und Elend. "Nie wieder Krieg!" ist neben der NS-Zeit, dem Umweltschutz und dem Elend in Südamerika eines ihrer Hauptthemen, wie sie den Schülern der Bertha-von Suttner-Gesamtschule und des Leibniz-Gymnasiums gestern verriet. Eingeladen wurde sie von der Schule und der Buchhandlung "seitenweise", den Kontakt knüpfte Deutsch-Lehrerin Sultan Aydogdu. "Ich hab sie einfach angerufen", sagt die 43-Jährige, "sie ist da ganz offen."

Bücher wie das 1,5 Millionen Mal verkaufte "Die Wolke" – "auf die Idee zum Buch über eine Reaktorkatastrophe in Deutschland bin ich durch Tschernobyl gekommen", so Pausewang – oder "Reise im August" sind Schullektüre, doch "die Schüler kennen eigentlich nur wenige Autoren", so Aydogdu.

Seit 1970 schreibt Pausewang Bücher für Kinder und Jugendliche, fast 70 ihrer 90 Bücher richten sich an junge Leser. "Natürlich ändert man das Schreiben im Lauf der Jahre, dem Zeitgeist entsprechend." Und den Lesern entsprechend, die heute in einer multimedialen Welt leben.

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"Bücher werden immer existieren", sagt die Autorin, "sie verlangen mehr Fantasie als Filme, die die Fantasie auf ein bestimmtes Bild fixieren." Bücher fördern die Vorstellungskraft – das macht sie zu Pausewangs Medium. Sie will die Fantasie anregen, aber dabei vom wahren Leben erzählen: "Ich nehme meine Leser ernst, auch die jungen. Deshalb kann es nicht immer ein Happy End geben", sagt sie.

Mit Witz, Ironie und Liebe zum Detail berichtete sie gestern über ihr ereignisreichs Leben: von der Kindheit im Sudetenland, dem gefallenen Vater, dem 800 Kilometer-Fußmarsch in den Westen, vom Hunger. Aber auch von ihrer früh geweckten Begeisterung für Geschichten und Bücher, ihrem Traum von Südamerika. "Ich bin nur Lehrerin geworden, "um an einer deutschen Schule im Ausland zu unterrichten", erzählt sie.

In Chile, Venezuela und Kolumbien hat sie gelehrt. Und 30 Jahre gebraucht, "um mich zu trauen, ein Manuskript an einen Verlag zu schicken." Es sind viele Manuskripte geworden. Das Leben hat Gudrun Pausewang gelehrt, Bücher zu schreiben, die bilden und bleiben.

(NGZ)
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