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Dormagen: Passionsklänge beeindruckend dargestellt

Dormagen : Passionsklänge beeindruckend dargestellt

Konzert in der Pfarrkirche St. Martinus Zons mit der Capella Zontium und Kantor Horst Herbertz.

Glasklare und volltönende Gregorianik machte mit dem Introitus zum fünften Fastensonntag den Anfang. Was darauf folgte ("ubi caritas"), ist nicht anders zu bezeichnen als anhaltend wunderbare Kirchenmusik. Wir sind in der Pfarrkirche St. Martinus in Zons. "Erwarten Sie kein Happening", stellt Pfarrer Bastian Graeber von Anfang an die Weichen, "sondern wertvolle Musik." Wie wahr! Nicht zuletzt das Akustikwunder des kompakten und hohen Kirchenschiffs trägt zu diesem außergewöhnlichen Konzert bei.

Dieser gut gewählte Querschnitt zur Musik der Passion trifft in der vollbesetzten Zonser Kirche auf eine aufmerksam lauschende Gemeinde. Bastian Graeber zieht die passende Parallele, wenn zu einem gelungenen Leben die richtige Vorwahl gebraucht werde: "Gott ist nicht nur über den Notruf zu erreichen."

Umgekehrt wird auch der Mensch immer erreicht, wenn Form und Inhalt stimmen. Damit ist die herrliche Musik dieses Sonntags im Spiel. Unter der Leitung von Gregor Loers musizierten Capella Zontium, das Vokalensemble im Chorhaus St. Michael, und Horst Herbertz, Kantor der Kirchengemeinde, an der Orgel. Anfangs rückwärtig von der Empore, dann im Altarraum wurde die Passion in Töne gesetzt, klang das Leiden der Völker deutlich durch, bildeten die Sehnsucht nach Gott und die Kreuzigung weitere Abschnitte.

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Bach, Palestrina, Händel, um nur die bekanntesten Komponisten zu nennen, haben das Leid in der Welt aufgegriffen und in Töne gesetzt. "Das Besondere des Konzerts ist seine Intention", sagt der Dirigent Gregor Loers. "Es endet eben nicht alles in Hoffnungslosigkeit, sondern der Ostergedanke ist mit Trost zur Stelle." Das verrät der Blick auf die im Programm-Faltblatt ausgedruckten Texte, aber das macht vor allem der Gesamteindruck deutlich: 16 Sänger und Sängerinnen interpretieren unter der Leitung des jungen Dirigenten die teils sehr anspruchsvollen Stücke auf eine elegante und anrührende Weise. Raumfüllend und strahlend kommt auch das prächtige Orgelspiel von Horst Herbertz herüber.

Nach einem anfänglichen Übergewicht barocker Passionsklänge wird sogar die Öffnung in Richtung zeitgenössischer Musik gewagt. Duruflé, Pärt und Eßenvalds stellen sich dabei als großer Zugewinn heraus. Das singt und klingt so ausdrucksstark und zugleich eingängig bewegend - in Wahrheit war alles Gehörte an diesem Abend Verkündigung mit hohem künstlerischem Anspruch.

(NGZ)