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Dormagen: Parteien: "Kleine" attraktiver

Dormagen : Parteien: "Kleine" attraktiver

Während CDU und SPD seit 2001 sinkende Mitgliederzahlen beklagen, legen FDP und Grüne kreisweit zu. Insgesamt gilt der Trend: Immer weniger Bürger finden es lohnend, sich über die Parteien in die Politik einzumischen.

Volksparteien haben es schwer. CDU und SPD laufen die Mitglieder weg – auch im Rhein-Kreis. In den vergangenen zehn Jahren verlor die Union 20 Prozent ihrer personellen Basis, bei der SPD waren es sogar 37 Prozent. Die kleinen Parteien legten hingegen kräftig zu, allerdings auf niedrigem Niveau: Die FDP steigerte die Zahl ihrer Parteigänger seit 2001 um 32 Prozent, die Grünen um 25 Prozent.

Die nordrhein-westfälische CDU will diese Talfahrt stoppen und "Stammwähler zu Mitgliedern" machen, sagt ihr Kreisvorsitzender, Ex-Minister Lutz Lienenkämper (41). Auch den Sozialdemokraten bereitet der Negativ-Trend Kopfzerbrechen. "Die Mitgliederentwicklung ist rückläufig", sagt die Dormagener SPD-Stadtverbandsvorsitzende Regina Nawrot. Mit Austritten habe dies aber nichts zu tun. Die Partei verliere Mitglieder aufgrund ihrer Altersstruktur. Die Entwicklung ist in den Stadtteilen jedoch unterschiedlich. In Nievenheim etwa wächst die Basis.

Gerhard Woitzik (Zentrum) will von den Verlusten profitieren. Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Dormagens sagt: "Die CDU verprellt mit ihrer Einstellung Konservative. Denen wollen wir eine christlich-demokratische Alternative bieten." Gesund stehen auch die Bürger für Dormagen (BfD) da. Laut Fraktionschef Dietrich Krueger sind die Zahlen – "zwischen 50 und 60" – stabil. Dabei betreibe er nicht mal aktive Akquise. Krueger: "Wer kütt, der kütt." Norbert Dahmen (CDU) beklagt hingegen, dass die Zahlen seit etwa 20 Jahren – mal mehr, mal weniger – fallen. "1998 gab es einen leichten Aufwärtstrend", erinnert sich der Stadtverbandsvorsitzende. Doch: "Wir bekommen weniger neue Mitglieder, als uns alte durch Tod abhanden kommen", erläutert er. Er glaube, dass sich immer "weniger Bürger parteipolitisch binden wollen".

Diese Offenheit ist für Bündnis 90/Die Grünen Programm. Selbst in die Stadt- und Gemeinderäte ziehen viele Politiker auf dem grünen Ticket ein, ohne der Partei formal anzugehören – eine Besonderheit der Grünen, so der Kreissprecher und Dormagener Fraktionsvorsitzende Ingo Kolmorgen (38). Im Kreis stützt sich die Partei auf 220 Mitglieder, im zahlenmäßig stabilen Dormagener Ortsverband auf nur 25. "Grüne Klientel bindet sich nicht gern", weiß er.

Die FDP zählt in Dormagen etwa 35 Mitglieder, ebenfalls "seit ein paar Jahren konstant", wie Fraktionschefin Beate Brebeck betont. Der Altersschnitt liege bei 40 bis 45 Jahren. Dass die Großen verlieren und die Kleinen zumindest ihre Anziehungskraft behalten, liegt für sie an größeren Mitwirkungsmöglichkeiten. "Bei uns ist sofort eine Mitarbeit und die Teilnahme an Fraktionssitzungen möglich." Wohl ein Grund dafür, dass die Partei "für junge Leute attraktiv" sei, wie FDP-Kreisvorsitzender Bijan Djir-Sarai (34) sagt. Als er vor zehn Jahren in den Kreisvorstand gewählt wurde, gab's kreisweit 341 Liberale, heute sind es 449. Dabei legt die FDP im Kreis gegen den Landestrend zu.

(NGZ)