Dormagen: Pappeln am Rheinufer rechtmäßig gefällt

Dormagen : Pappeln am Rheinufer rechtmäßig gefällt

Die Aktion an der Piwipp führte sogar zu Beschwerden bei der Bezirksregierung. Die Behörden betonen: "Es hat alles seine Ordnung."

Eine großangelegte Baumfällaktion von Pappeln am Rheinufer hinter der Anlegestelle des Piwipper Bötchens und dem Ausflugslokal "Haus Piwipp" hat in den vergangenen Tagen für helle Aufregung gesorgt. Spaziergänger und andere Bürger beschwerten sich massiv und wandten sich teilweise sogar an die Bezirksregierung. Von "Baumfrevel" und "Schande" war die Rede; dass die Fällungen im Naturschutzgebiet stattfanden, sorgte für zusätzlichen Zündstoff.

Aber: Die Behörden betonten gestern auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Kappung der Pappeln, die den Leinpfad entlang des Rheinufers säumten, rechtmäßig war. Ulrich Schmitz, Verantwortlicher bei der Unteren Landschaftsbehörde des Rhein-Kreises, und Daniel Hook, Privat- und Kommunalwaldförster im Forstbetriebsbezirk Neuss, versicherten: Der Eigentümer hat alles richtig gemacht.

Der Eigentümer: Das ist Helmut Heiles aus Rheinfeld. "Die Fällung der Bäume tut mir selber leid", sagte er. Doch die Pappeln, die er vor gut vier Jahrzehnten selbst gepflanzt habe, seien nicht mehr standsicher gewesen, weil viele der Wurzeln vom Rheinhochwasser freigelegt worden seien. Wer sich die Stümpfe von Nahem ansieht, kann dies gut erkennen. "Ich habe damals den Fehler gemacht und die Pappeln zu nah ans Wasser gesetzt. So sind sie immer wieder unterspült worden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Verkehrssicherheit der Bäume nicht mehr gewährleistet ist und mich aufgefordert, zu handeln", erklärte Heiles. Schweren Herzens habe er sich entschlossen, die Pappeln beseitigen zu lassen.

Dass die Bäume größtenteils im Naturschutzgebiet stehen, sei kein Grund, dem Eigentümer die Fällung zu verbieten, erklärte Ulrich Schmitz von der Unteren Landschaftsbehörde: "Das Gebiet ist als Wald klassifiziert; wenn die Bäume hiebreif sind, darf der Eigentümer das Holz sowieso ernten." Im Naturschutzgebiet dürfe dies wegen des Artenschutzes eigentlich erst ab dem 1. Oktober geschehen, doch Heiles sei ausdrücklich eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden. Seitens der Biologischen Station Knechtsteden sei vorher geprüft worden, ob Lebewesen hätten zu Schaden kommen können. Dies sei nicht der Fall gewesen, sagte Schmitz. Es gebe in dem Bereich zwar Fledermäuse, "diese sind aber nicht an die jetzt gefällten Pappeln gebunden". Einzige Auflage für Heiles: Er muss binnen zwei Jahren wieder aufforsten. Wo genau und mit welchen Baumarten, dies ist noch offen. "Die Natur muss sich jetzt erstmal erholen", sagte Heiles. Statt der bisherigen Hybridpappeln böten sich bei der Aufforstung andere "standortgerechte Laubbäume" wie beispielsweise Eichen oder heimische Schwarzpappeln an, informierte Daniel Hook.

Viel Glück haben die Hybridpappeln Helmut Heiles nicht gebracht. "Als ich sie 1972 gesetzt habe, hieß es noch: Von dem Ertrag kannst Du mal die Aussteuer für Deine Töchter bezahlen", erzählt er. Davon könne heute keine Rede mehr sein. Ertrag und Aufwand stünden bei den Pappeln in keinem Verhältnis mehr. Heiles nimmt den finanziellen Verlust mit Humor: "Ich habe ja sowieso nur Söhne bekommen."

(NGZ)
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