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Orden in Dormagen: Spiritaner wirken seit 125 Jahren in Knechtsteden

Ordensgemeinschaft in Dormagen : Spiritaner wirken seit 125 Jahren in Knechtsteden

Im Jahr 1895 übernahm die Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist das Kloster Knechtsteden mit der Kirche, die nach einem Brand wieder aufgebaut worden war. So fanden die Spiritaner ein neues Zentrum für ihren Orden.

An Pfingsten hat die „Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist – Die Spiritaner“ ihren Patronatstag begangen. Seit genau 125 Jahren wirkt die Ordensgemeinschaft nun schon segensreich in Knechtsteden. Dabei übernahmen sie 1895 ein heruntergekommenes und von den Prämonstratensern ein knappes Jahrhundert zuvor verlassenes Kloster und eine Kirche, die 1890 nach dem verheerenden Brand von 1869 wieder aufgebaut worden war.

Das Jubiläum der Spiritaner hat der Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden zum Anlass genommen, um zu gratulieren und Rückschau zu halten. Das übernahm Stephan Großsteinbeck vom Vorstand. Hier einige Auszüge seiner Spiritaner-Chronik.

Die erste deutsche Niederlassung gründeten die Spiritaner 1863 in Kaiserswerth. „Das rasche Ende dieser ersten Deutschen Ordensprovinz kam im Jahr 1873 durch die ,Verbannung’ bei dem sogenannten Kulturkampf“, erklärt Großsteinbeck. Im Rahmen dieses Konflikts zwischen dem preußischen Staat und der Kirche wurden auf Grundlage des Jesuitengesetzes vom 4. Juli 1872 die Spiritaner als jesuitenverwandter Orden aus Deutschland verwiesen.

Im Juli 2019 hielten die Spiritaner ihre Regionalversammlung im Kloster Knechtsteden ab. Foto: Spiritaner

Wesentliche Leitfigur der zweiten Neugründung in Deutschland war der Spiritaner-Pater Amandus Acker. Er erkämpfte die Rückkehr der ausgewiesenen Spiritaner nach Deutschland, leitete die deutsche Ordensprovinz von 1894 bis 1919 und belebte Knechtsteden wieder. Das Grab von Pater Acker, der an Karfreitag, 30. März 1923, in Knechtsteden starb, ist auf dem Klosterfriedhof, direkt neben der linken Treppe zu finden.

Nachdem die Prämonstratenser durch die Säkularisierung im Jahre 1802 aus Knechtsteden vertrieben worden waren, da Kloster und Kirche durch ein Dekret Napoleons I. aufgehoben und beschlagnahmt worden waren, war das Gelände verlassen. 1890 lag das Kloster noch als Brandruine brach. „Es waren Bürger des Umlandes von Knechtsteden, vor allem aus Köln und Neuss, die es schafften, bis zum Jahr 1890 die Basilika wiederaufzubauen“, betont Großsteinbeck. Die treibende Kraft dieses Wiederaufbaus der Kirche war Anton Scheben, der 1879 in Köln und Neuss die Gründung von Vereinen zum Wiederaufbau der Knechtstedener Kirche vorantrieb.

Pater Acker wurde beauftragt, die Aufhebung des Jesuitengesetzes und damit des Verbots der Spiritaner in Deutschland zu erreichen. Im Januar 1894 reiste er nach Köln zu Erzbischof Philippus Krementz und mit dessen erzbischöflichem Empfehlungsschreiben weiter nach Berlin, um die politischen Weichen zu stellen. Das gelang vor allem durch das Verhandlungsgeschick von Pater Amandus Acker.

Als neuer Ort für eine Niederlassung kam das Elsass, der Geburtsregion von Pater Libermann, dem ersten Ordensoberen, in Frage. Man entschied aber, in der damaligen „preußischen Rheinprovinz“, im Rheinland, einen geeigneten Ort zu suchen. Pater Krämer, ein geborener Rheinländer, wurde damit beauftragt. Als er bei einer Bonner Familie einkehrte, erinnerte sich ein aus Dormagen stammendes Dienstmädchen an das abgebrannte Kloster Knechtsteden und stellte den Kontakt zu ihrem Heimatpfarrer her. „Nur so fiel das Augenmerk auf Knechtsteden – dank einer Frau“, sagt Großsteinbeck. Die Brandruine Knechtsteden gehörte im Jahr 1894 der Stadt Köln, der Armenverwaltung, die dort vor dem Brand des Jahres 1869 in Knechtsteden eine „Irrenanstalt“ errichten wollte.

Am 12. Februar 1895 wurde die Genehmigung des „Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten“ erteilt, die Zustimmung des Regierungspräsidenten von Düsseldorf erfolgte am 25. Februar 1895. Nach langen Verhandlungen einigte sich Pater Acker mit Vertretern der Stadt Köln darauf, den Spiritanern 180 Morgen Land zu einem Preis von 180.000 Mark zu verkaufen. Die Kölner Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Verkauf am 11. Juli 1895 zu. Beim Kaufvertrag fungierte der Kölner Erzbischof als Treuhänder, weil die Spiritaner als franzöische Kongregation 1895 noch nicht „rechtsfähig“ waren, wie Großsteinbeck erläutert: „Philippus Kardinal Krementz, Erzbischof von Köln, kaufte Knechtsteden für die Spiritaner und unterzeichnete am 23. Oktober 1895 vor dem Kölner Notar Stephan Fröhlich den Kaufvertrag.“

Pater Acker erhielt vom Kölner Erzbischof die Vollmacht, Knechtsteden als Ordensniederlassung aufzubauen. Mit der Hilfe vieler Bürger des Rheinlands begann der Wiederaufbau. Schon am 1. Oktober 1895 zog Pater Acker zusammen mit Bruder Marie-Bernard in Knechtsteden ein. Über der heutigen Sakramentskapelle wurden die ersten Zimmer hergerichtet. Am 2. Mai 1896 weihte der Kölner Erzbischof Krementz das Missionshaus feierlich ein – vor 3000 Menschen in und um die Basilika. Es folgte der weitere Ausbau Knechtstedens zu einem Ausbildungszentrum für Missionare: 1898 wurde das Brüdernoviziat eröffnet. 1901 wurden die Schulräume im ehemaligen Prälaturgebäude eingeweiht. 1905 wurde ein Priesterseminar eröffnet.