Online-Händler Amazon mit Sortierzentrum an der B 9 in Dormagen

Dormagen : Amazon mit Sortierzentrum an der B 9

Nach Aldi gibt es mit Amazon einen weiteren großen Logistiker, der sich in Dormagen angesiedelt hat. Der Online-Händler hat die neuen Gazeley-Hallen an der Bundesstraße 9 komplett gemietet.

Beim Baustellenfest vor genau einem Jahr war er noch nicht dabei. Aber ein halbes Jahr später, als die Lagerhallen an der Bundesstraße 9 zwischen St. Peter und Dormagen fertig wurden, stand fest, dass Online-Händler Amazon an dieser Stelle ein Sortierzentrum einrichten wird, in dem rund 300 Menschen arbeiten. Aus dieser Ansiedlung durfte aber kein großes Aufheben gemacht werden, an dem langen Flachbau sucht man vergebens einen auffallenden Schriftzug des Logistikers. Und Immobilienentwickler Gazeley, der Eigentümer von Fläche und Gebäude ist, musste in seinen Presseveröffentlichungen zum Ende der Bauphase auf die Nennung des bekannten Mieters verzichten.

Für den Wirtschaftsstandort ist die Ankunft von Amazon ein Glücksfall, auch wenn sich Wirtschaftsförderer Michael Bison zurückhaltend äußert. Denn welchen Effekt – zum Beispiel bei der Gewerbesteuer – Amazon haben wird, sei, so sagt er, noch nicht absehbar. „Mal sehen, ob Amazon versucht, sich in Dormagen einzubringen.“ Aber wenn ein Handelsgigant wie das US-amerikanische Unternehmen Dormagen als Standort auswählt (weitere Standorte dieser Art gibt es in Krefeld und in Garbsen), spricht das für die Qualität der Mittelstadt. Das hat bereits Bauherr und Vermieter Gazeley so beurteilt: Der Immobilienentwickler setzte einen „spekulativen Bau“, so formulierte es eine Unternehmenssprecherin, an die B9: Bauen, ohne den künftigen Mieter zu kennen. „Aber die Lage zwischen Düsseldorf und Köln sowie in der Nähe der A 57 ist sehr gut.“ Es gab auf Anhieb eine Reihe von Mietinteressen, doch das Rennen machte der Handelsriese.

Für Amazon ist Dormagen nun eine wichtige Schnittstelle für den Transport der täglichen Paketflut zu den Kunden. Eine Stadt der „mittleren Meile“. Denn auf dem 64.000 Quadratmeter großen Areal mit der 32.711 Quadratmeter großen Halle betreibt das Unternehmen ein Sortierzentrum. Das bedeutet, dass dort fertig zusammengestellte Pakete ankommen und nach Postleitzahlen sortiert werden. Danach geht es per Lkw in Verteilzentren, die es unter anderem in Düsseldorf oder Köln gibt. Im Unterschied zu Logistikzentrum, die auf riesigen Flächen die Waren lagern, ist das „warenlose“ Dormagen nur die Zwischenstation. „Es gibt aber auch andere, direktere Wege zu den Kunden“, so die Amazon-Sprecherin, „ohne Sortierzentrum. Es ist sehr unterschiedlich“.

Gestern Aldi mit einem großen Logistikzentrum für die Region (seit Jahren im Gewerbegebiet Delrath ansässig), heute Amazon, morgen DHL? Wird Dormagen das „Logistik-Mekka“ des Rheinlands? Immerhin besteht besteht zwischen Logistiker DHL und der Stadt eine schriftlich fixierte Absichtserklärung, worin festgehalten ist, dass DHL mit einem hochmodernen Paketzentrum an den Silbersee kommen will. Eine 150-Millionen-Euro-Investition auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern. Mit Amazon und künftig eventuell DHL verbunden sind erhebliche Verkehre, die Notwendigkeit von kurzen Wegen zur Hauptschlagader A 57 und die Erwartung auf den Bau der neuen Anschlussstelle Delrath. Endlich gibt es eine positive Nachricht, denn der Rhein-Kreis Neuss hat als Bauherr dieses Projektes jetzt den Antrag zum Bau der Anschlussstelle bei der Bezirksregierung eingereicht. „Ein Meilenstein“, sagt Wirtschaftsförderer Bison. Alle relevanten Planfeststellungsunterlagen konnten innerhalb des selbstgesteckten Zeitrahmens beigebracht und überreicht werden.

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