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Dormagen: "Ohne Lkw geht es nicht"

Dormagen : "Ohne Lkw geht es nicht"

Der wichtigste Verkehrsweg für Dormagens Unternehmen ist und bleibt die Straße. Logistikunternehmen schätzen die zentrale Lage der Stadt im Herzen Europas. Doch droht in den kommenden Jahren der Verkehrsinfarkt.

Wilhelm Koch, Geschäftsführer des Logistiker-Unternehmens Offergeld, wirkt wie ein Feldherr, während er die Deutschland-Karte ausrollt. Rote und grüne Punkte markieren Ziel- und Standorte des Transport-Unternehmens. Autobahnen und Bundesstraße verlaufen dazwischen wie Lebensadern. "Wir kommen innerhalb einer Schicht nach Rotterdam, Hamburg, Antwerpen oder nach Paris", sagt Koch und fährt mit dem Finger über die Karte. Die Lage, sagt der gelernte Transportbetriebstechniker, sei herausragend.

"Die Lage ist herausragend"

Insgesamt 700 Lastwagen fahren von den Standorten des Unternehmens durch Europa, ein Gros davon ist in an der Edisonstraße stationiert — und das ist kein Zufall: Der Bereich St. Peter/Delrath ist so etwas wie Dormagens Mekka der Logistikbranche. Neben Offergeld sitzen dort große Firmen wie Barth + Co., Zimmer und Kellermann und ein großes Aldi-Verteilzentrum.

"Die Logistik war schon immer eine wichtige Branche für Dormagen", erklärt Wirtschaftsförderin Gabriele Böse. Deren Unternehmer nutzen die zentrale Lage Dormagens, um ihre Güter über A 57 und B 9 in ganz Europa zu verteilen. Die Bedeutung unterstreicht der Studienschwerpunkt Logistik am Berufsbildungszentrum, das am Willy-Brandt-Platz angesiedelt ist. Und natürlich fertigt auch der Chempark Lastwagen im Sekundentakt ab.

Trotz der Vorteile, uneingeschränkt zufrieden sind die Logistik-Unternehmen am Standort nicht. Offergeld-Chef Koch: "Wir haben ein Problem mit den Baustellen, da ist einfach 25 Jahre lang gepennt worden", sagt er. Das Verkehrsaufkommen im Bereich Nutzfahrzeuge sei in den vergangenen zehn Jahren jährlich um sieben Prozent gestiegen. Im Berufsverkehr ist für die grün-gelben Offergeld-Brummis kein Durchkommen. Koch: "Unsere Abfahrten finden zwischen 20 und 1 Uhr statt."

Als großes Ärgernis bleibt zudem geplante der Autobahnanschluss Delrath, der aufgrund der Nähe zum Gasunternehmen Gerling, Holz & Co. bisher nicht realisiert werden konnte. Ein Gutachter des TÜV checkt das Areal derzeit auf mögliche Gefahren. "Moment hakt's", seufzt auch der IHK-Standortexperte Bernd Neffgen.

Dabei wäre neben dem sechsstreifigen Ausbau der A 57 aus seiner Sicht der Bau des Autobahnanschlusses wichtig für die Entlastung der Unternehmen, aber auch der Bevölkerung am Standort. Die Abfahrt würde einen wahnsinnigen Zeitvorteil ermöglichen, meint auch Wilhelm Koch: "Aldi wäre doch sonst gar nicht hierhin gezogen."

(NGZ)