Dormagen: OGS-Betreuung soll flexibler werden

Dormagen: OGS-Betreuung soll flexibler werden

Das Schulministerium will zum 1. August verbindliche Kriterien für den Besuch der Offenen Ganztagsschule erarbeiten. Eltern sollen demnach die Möglichkeit erhalten, ihre Kinder anlassbezogen aus der OGS zu nehmen.

Auf sehr unterschiedliche Reaktionen stößt die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), den Aufenthalt von Kindern in der Offenen Ganztagsschule (OGS) flexibler zu gestalten. Die Öffnungszeiten an den Grundschulen in Dormagen sind in der Regel von 7.30 bis 16 Uhr, laut Gesetz sind die Kinder verpflichtet, sich bei Vertragsabschluss für fünf Tage bis mindestens 15 Uhr zu verpflichten. Weil darunter der Besuch der Musikschule oder eines Sportvereins leidet und es sogar schon vorgekommen sein soll, dass ein Kind auch an seinem Geburtstag kein "OGS-frei" bekommen hat, soll der Besuch ab dem kommenden Schuljahr flexibler geregelt werden. Dormagens Landtagsabgeordnete Heike Troles (CDU) spricht sogar vom 1. Februar als Termin für "weitere Ausnahmen aus familiären Gründen".

Von einem "total falschen Ansatz" spricht Christopher Braun, Geschäftsführer des Trägervereins der Friedrich-von-Saarwerden-Grundschule und am BvA-Gymnasium, "Ev-angel-isch gGmbH" in Köln. "Eltern wollen eine Kontinuität", sagt er. "Wenn Kinder nur noch sporadisch in die OGS kommen, geht die wichtige Bindung zur Erzieherin verloren. Zudem wird es in den Betreuungen auch viel schwieriger, verbindliche Angebote zu unterbreiten." Zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften oder spezielle Förderungen.

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Für drei Grundschulen in der Stadt ist der TSV Bayer Dormagen als Trägerverein zuständig mit aktuell 356 Kindern: Theodor-Angerhausen-Schule, Regenbogenschule und Tannenbuschschule. Der zuständige OGS-Koordinator, Hans-Peter König, sieht der Änderung im kommenden Jahr "mit Gelassenheit" entgegen. Er sagt, dass es schon heute in Dormagen flexible Regelungen gibt. "Unsere Fechtabteilung schaut in der zweiten Klasse nach Talenten. Die müssen dann natürlich die Gelegenheit haben, zum Training zu gehen und werden auch freigestellt." Das gelte auch für andere Termine, "die Eltern müssen das nur beantragen." König betont, dass sowohl Kinder als auch Träger verlässliche Strukturen brauchen.

Als ein viel wichtigeres Thema in diesem Zusammenhang erachtet König die Qualitätsstandards in der OGS: "Das ist ständig Thema bei den Trägern, wie zum Beispiel die Finanzierung oder die Qualifizierung von Mitarbeitern." Es gebe immer mehr betreuungsintensive Kinder und das bei gleichbleibendem Personalschlüssel. Monika Scholz, Rektorin der Erich-Kästner-Schule und eine von vier Fachberaterinnen für die OGS im Rhein-Kreis Neuss, ist davon überzeugt, dass sich in Dormagen nicht viel ändern wird: "Zum Geburtstag, wenn die Oma zu Besuch kommt, bei Nachhilfe, Therapie-Besuchen oder Sport- und Musikunterricht wird heute schon freigegeben." Das dürfe nicht diese Anwesenheit in der OGS überlagern. "Flexibilität kann leicht auch zur Beliebigkeit führen, wenn das Kind öfter und spontan abgeholt wird. Das macht dann den Ganztag kaputt."

(schum)