Nievenheimer Schützen: Ehrenmitglied Spitzenberg kündigt Austritt an

Nievenheimer Schützen : Ehrenmitglied kündigt seinen Austritt an

Die außerordentliche Generalversammlung der Nievenheimer Bruderschaft am Freitag wird die Weichen für die nächsten Monate stellen. Die Fronten zwischen dem Oberst und dem zurückgetretenen Vorstand scheinen verhärtet.

Die Nievenheimer Schützen werden auf der außerordentlichen Generalversammlung der Bruderschaft am Freitag, die um 20 Uhr im Saale Robens beginnt, einen Übergangsvorstand bis zur nächsten Generalversammlung am 27. September wählen – neun Positionen sind auf der Tagesordnung aufgeführt. Diese Wahlen sind nötig, da bei der Versammlung der Bruderschaft am 15. März nach einem Misstrauensantrag gegen Oberst Wolfgang van Bömmel-Wegmann, den die Schützen mit Mehrheit ablehnten, neun Vorstandsmitglieder um Brudermeister Stefan Schillings zurücktraten. Damit kamen sie einem zweiten, bereits angekündigten, Misstrauensvotum, dieses Mal gegen sie selbst, zuvor.

Von der turbulenten Versammlung voller Aggressionen bleibt für die zurückgetretenen Vorstandsmitglieder vor allem Respektlosigkeit und blanker Hass, der ihnen entgegenschlug, hängen: „Dass Schützen, für die wir gern und viel gearbeitet haben, uns mit hämischen Gesten und Jubel von der Bühne verabschiedet haben, hat uns tief getroffen“, sagt Schillings. Er betont, dass Entscheidungen im Vorstand immer gemeinsam, nie von ihm allein gefällt wurden. In einer Mail an seine Schützenkameraden schreibt er vor knapp einer Woche: „Man hat an diesem Abend einen sehr gut arbeitenden, funktionierenden und fachkompetenten Vorstand zerschlagen. Damit ein Mann, der nur repräsentative Aufgaben hat und sich nicht eingliedern konnte und wollte, bleiben konnte.“ Er verweist darauf, dass sich der alte Vorstand in der Bewertung einig war, dem Oberst wegen Illoyalität sein Vertrauen zu entziehen. Auch mangelnder zeitlicher Einsatz für das wichtige Amt war einer der Kritikpunkte. Schillings, der zwölf Jahre hart und mit viel Herzblut für die Bruderschaft gearbeitet hat, betonte: „Man hat hier die Arbeitstiere geopfert und möchte aber, dass man nun unterstützt.“

Am Boden zerstört ist Ehrenmitglied Detlef Spitzenberg, der nach 27 Jahren im Vorstand, davon elf als Brudermeister, 2017 nicht mehr angetreten war: „Diese Versammlung war ein Abschlachten des bisherigen Vorstands, der lächerlich gemacht werden sollte. Das ist nicht die Bruderschaft, für die ich 30 Jahre lang gearbeitet habe“, sagte Spitzenberg, der den Misstrauensantrag gegen den Oberst gestellt hatte. Wenn sich am Freitag „nicht die Vernunft durchsetzt“, dann werde „ich meine Ehrenmitgliedschaft noch an dem Abend zurückgeben und aus der Bruderschaft austreten“, erklärte er am Mittwoch. Von „Oberst-Getreuen“, die im Vorfeld der vorigen Versammlung Stimmung gegen vermeintliche „Machtanmaßung“ gemacht hätten, würden im Dorf jetzt unfassbare Lügen über den Ex-Vorstand erzählt.

Wegen persönlicher Angriffe kündigte Schillings Konsequenzen an. Er werde gegen die Personen, die ihn „durch unhaltbare Aussagen im Dorf, ja sogar im Stadtgebiet schlecht machen, ja Rufmord betreiben“, per Anwalt vorgehen. So sei nur ein Angebot zur Ausschreibung der Getränkelieferung des Schützenhauses eingegangen, da habe er sich nicht allein für dieses eine Angebot entschieden, sondern es seien vier Personen gewesen. Ein zwischenzeitlich angebrachtes Schloss, das Schillings den Weg zu seinem Anhänger hinter dem Schützenhaus verstellte, musste wieder entfernt werden.

Ein Lösungsangebot des Ex-Vorstands: Tritt der Oberst nach dem Schützenfest zurück, kommt der gesamte Vorstand in seine Positionen zurück. Die Idee: Van Bömmel-Wegmann soll aber trotzdem das Regiment zum Schützenfest anführen und wird vernünftig verabschiedet. Eine Oberst-Reaktion war für die Redaktion nicht zu erhalten.

„Da wird eine Mannschaft der Zukunft wegen persönlicher Befindlichkeiten geopfert, da sollte der Oberst mit 65 Jahren Größe zeigen und zurücktreten, auch wenn er sich im Recht sieht“, fordert Spitzenberg. Der Schaden für die Nievenheimer Bruderschaft sei bereits entstanden, er könne aber mit einem Konsens vielleicht noch abgemildert werden. Arbeitsgruppen und Sponsoren haben bereits angekündigt, ihr Wirken für die Bruderschaft zu beenden.