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Dormagen: Neues Mailsystem bei Epidemien

Dormagen : Neues Mailsystem bei Epidemien

Das Meldeverfahren bei Infektionskrankheiten ist im Rhein-Kreis verbessert worden. In einem Pilotprojekt wurde ein Mail-System entwickelt, das eine schnelle Übermittlung verspricht. Gestern wurde eine erste Test-Bilanz gezogen

Ob EHEC-Erreger oder Schweinegrippe: Bei Infektionskrankheiten sind schnelle Meldungen an das Robert-Koch-Institut wichtiger denn je. Als Teilnehmer eines bundesweiten Pilotprojekts wirkt der Rhein-Kreis Neuss maßgeblich daran mit, dass das Meldeverfahren vereinfacht und verbessert wird. Gestern wurde in Grevenbroich eine erste Zwischenbilanz der Testphase gezogen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", meint Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.

Beim Ausbruch der EHEC-Epidemie im vergangenen Jahr war vielerorts Kritik an Verzögerungen bei der Registrierung der Fälle laut geworden. Der Grund: "Ärzte, Labore und Krankenhäuser melden Infektionskrankheiten noch weitgehend auf dem traditionellen Kommunikationsweg — also zum Teil noch per Brief", begründet Dr. Michael Dörr, Leiter des Gesundheitsamtes. Dadurch würde nicht selten wertvolle Zeit verloren gehen.

Um dieses System weiter zu verbessern und auf ein elektronisches Meldeverfahren umzustellen, startete die Behörde vor knapp einem Jahr ein Pilotprojekt unter der Leitung des NRW-Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Mit beteiligt an dieser Studie sind das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG), die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und der Software-Hersteller Duria. "Ziel des Projekts ist es, die Meldungen rasch per Mausklick an die Gesundheitsbehörden zu übermitteln", betont Kreisdezernent Karsten Mankowsky.

18 Ärzte und zwei Krankenhäuser aus dem Rhein-Kreissind am Pilotprojekt beteiligt und wurden mit den notwendigen Programmen ausgerüstet. "Die Übermittlung funktioniert", weiß Michael Dörr, nachdem mehrere "Dummy-Datensätze" auf dem elektronischen Weg an das Kreisgesundheitsamt versandt wurden. Der Unterschied zur Standard-E-Mail: Die Daten werden verschlüsselt übermittelt und sollen gegen Hack-Angriffe gefeit sein. Amtsleiter Dörr spricht von einem "sicheren Transportweg, der eine vertrauliche und datenschutzrechtliche Übermittlung erlaubt".

Nachdem die technischen Fragen geklärt sind, geht es in einem weiteren Schritt des Pilotprojektes darum, den Datensatz in die Computersysteme der Ärzte, Labore und Krankenhäuser zu integrieren.

Dr. Norbert Sijben, Sprecher des Praxisnetz in Dormagen, der eine Praxis in Zons betreibt, hat das Gesundheitsamt bisher per Fax informiert. "Das hat immer gut funktioniert, vielleicht sogar besser als per E-Mail", sagt der Allgemeinmediziner und mahnt die Information der Ärzte an: "Viel Verwirrung und Hektik hat es durch die EHEC-Fälle im vergangenen Jahr gegeben", meint Sijben. Das Ausmaß der Krankheit hielt sich am Ende in Grenzen: zwei oder drei EHEC-Fälle wurden in Dormagen gezählt.

Hier geht es zur Infostrecke: Wie schütze ich mich vor EHEC-Erregern?

(NGZ/rl)