Dormagen: Neuer Vorhang für "Alles nur Theater"

Dormagen : Neuer Vorhang für "Alles nur Theater"

Was passiert eigentlich, wenn ein Zuschauer für einen Darsteller gehalten wird? Dies und weitere Missgeschicke einer Theatervorbereitung werden in "Alles nur Theater" im Kammertheater erheiternd aufbereitet.

Ein Schauspieler ist kurzfristig erkrankt. Da der Regisseur das Aussehen des Ersatzdarstellers nicht kennt, hält er prompt einen sich verspätenden Zuschauer irrtümlicherweise für eben diesen Ersatz, und das unterhaltsame Unglück nimmt seinen Lauf. Dies ist nur eine der lustigen, mit rasanten Dialogenund überraschenden Wendungen aufwartenden Szenen des neuen Stücks "Alles nur Theater" im Kammertheater Dormagen.

Die Haupt- und Generalprobe einer Krimi-Komödie lässt einen Blick hinter die Kulissen des Schauspieleralltags zu. Der Zuseher bekommt das mit vielen Pointen aufbereitet, was er sonst immer "verpasst": Proben und die Inszenierungskorrekturen des Regisseurs. So kommt es schon einmal vor, dass die Szenen zwei, drei Mal gespielt werden und doch jedes Mal verschieden sind. In einem Probeabschnitt bringt der Inspektor seine Rolle nicht richtig zur Geltung, was den Regisseur zur Weißglut treibt. Auch Kollegen, die nur auf Stichworte reagieren und nicht improvisieren können, wenn es kleinere Abweichungen gibt, werden fröhlich "vorgeführt".

All diese Anekdoten haben die beiden Regisseure des Stücks, Sabine Misiorny und Tom Müller, in ihrem eigenen Schauspielerleben selbst erlebt, als sie 25 Jahre lang durch die Republik getourt sind. "Wir wollten das Leben und Arbeiten der Schauspieler in den Vordergrund stellen, einen Einblick in die Probearbeit geben und zeigen, dass dies nicht immer so einfach ist", sagt Misiorny. Das Stück schrieben die beiden schon 2000 als Auftragsarbeit für ein Düsseldorfer Theater, waren damals aber noch auf Tournee und konnten es am Freitag erstmals selbst mit vier Personen auf die Bühne bringen. Misiorny und Müller sind Autoren, Regisseure und Schauspieler in Personalunion. "Für die Proben haben wir deshalb mit einer Regieassistentin gearbeitet und auch viel Videoaufzeichnung eingesetzt, damit wir Bilder von außen hatten", sagt Müller. Ein solches Stück einzustudieren, dauere schon einmal vier bis sechs Wochen, also 20 bis 30 Probetage.

Dem Stammpublikum fiel eine weitere Neuheit auf: Der neue rote Vorhang rundet nicht nur das Bühnenbild ab, er ist auch sogleich Bestandteil des Stücks und wird einer Szene wie beim Schattenspiel genutzt. Denn der hinzugewonnene "technische Aspekt des Vorhangs ist ein Element des Stücks. Beleuchtet man ihn von hinten, kann der Zuschauer durch den Vorhang durchgucken", sagt Müller.

Nach der gelungenen Premiere gingen die Zuschauer mehr als zufrieden nach Hause: "Ich fand es grandios, weil es immer wieder eine neue Wendung nimmt. Wenn man ein und dieselbe Szene öfters sieht und sie einen immer wieder vom Stuhl reißt, weil es jedes Mal etwas gibt, das man nicht erwartet, das ist schön", sagt Guido Funk. Seine Frau Judith Funk war ebenfalls begeistert vom "sehr witzigen und rasant gespielten Stück." Das Theater sei "eine Bereicherung für Dormagen. Es ist mit viel Liebe betrieben und wir kommen immer gern hierher."

(NGZ)