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Dormagen: Neue Gruppe für Erwachsene mit ADHS

Dormagen : Neue Gruppe für Erwachsene mit ADHS

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom galt lange als typische Kinderkrankheit. Doch ADHS betrifft auch Erwachsene.

Zerstreut und chaotisch, impulsiv und unfähig zu warten, langsam arbeitend und nicht fertig werdend — Menschen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) können die Geduld ihres Umfeldes auf harte Proben stellen. Früher galt ADHS als typische Kinderkrankheit, doch inzwischen ist klar: Auch Erwachsene können betroffen zeigen und die selben Symptome zeigen.

Manuela Lemper hat einmal eine Frau kennengelernt, die die ADHS-Diagnose mit 63 Jahren erhielt. Das hat sie erst recht in ihrem Entschluss bestärkt, in Dormagen eine neue Selbsthilfegruppe für Erwachsene mit ADHS zu gründen. Wobei sie das "H" für Hyperaktivität in Klammern setzt: Denn Interessenten, die "nur" unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leiden — und davon gibt es sehr viele — , sind ebenfalls willkommen.

"Ich beschäftige mich schon sehr lange mit ADHS. Als mein heute 24-jähriger Sohn im ersten Schuljahr war, war das schon ein Thema in seiner Klasse. Dadurch bin ich darauf gekommen", erzählt die 52-jährige Ückeratherin. ADHS ist vererblich, die Erkrankung kann zum Beispiel aber auch durch Sauerstoffmangel bei der Geburt entstehen. Im Kern geht es um eine Störung bei den Nervenzellen im Gehirn, wo die Weiterleitung des Stoffes Dopamin nicht funktioniert. Die Synapsen weisen die Dopamin-Ausschüttung zurück, es kommt zu einem Dopamin-Überschuss und dadurch zu den typischen Symptomen. In Manuela Lempers Familie ist zwar niemand von der Krankheit betroffen, doch ihr Engagement war davon unberührt. Vor über zwölf Jahren übernahm Lemper die Leitung der Dormagener ADHS-Selbsthilfegruppe "Kleeblatt" für erkrankte Kinder und deren Eltern. "Doch die Kinder sind erwachsen geworden", sagt Lemper. Deshalb will sie sich nun um selbst betroffene Erwachsene kümmern.

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Wobei sie auch darauf setzt, dass die künftigen Mitglieder ihrer Gruppe sich gegenseitig unterstützen — wohlwissend, wie wichtig der Austausch der Erkrankten untereinander ist. Themen gibt es genug: Medikamente, Behandlungsmöglichkeiten, Testverfahren, Schlafstörungen, ADHS und Beruf, Rechtsfragen... Manuela Lemper will auch stets aktuelle Informationen anbieten; Vorträge von Fachleuten kann sie sich ebenso vorstellen wie Ausflüge und gemeinsame Feiern. "Ich hoffe, dass sich eine feste Gruppe bildet, die lange zusammenbleibt", sagt die Leiterin. Erste Interessenten haben sich schon bei ihr gemeldet. Dennoch weiß sie nicht, wieviele Personen ihr beim ersten Treffen, das am 13. November stattfinden wird, gegenüber sitzen werden. "Wenn es beim Start zwölf Leute wären, wäre ich erstmal zufrieden", sagt die 52-Jährige.

Von ihrer Familie wird sie in ihrem Engagement stark unterstützt, ihre Mutter, ihr Mann, ihr Sohn und dessen Freundin helfen ihr immer wieder. "Sonst wäre das alles für mich gar nicht zu schaffen", weiß Manuela Lemper. Denn zusätzlich zur klassischen Selbsthilfegruppenarbeit bildet sie sich weiter, nimmt an Schulungen teil und hat Zertifikate als ADS-Trainerin erworben. Dieses Wissen will sie weiterhin zur Verfügung stellen.

(NGZ)