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Dormagen: Neue Container für Obdachlose

Dormagen : Neue Container für Obdachlose

Am südlichsten Zipfel des Stadtgebiets leben Obdachlose seit Jahren in Notunterkünften. Versteckt in schäbigen Containern. Die Politik will sich damit nicht abfinden, verlangt von der Stadt ein Konzept für soziales Wohnen.

Zwischen Verwaltung und Politik ist ein Streit darüber entbrannt, wie mit den Wohncontainern für Obdachlose umzugehen ist. Die Stadt will eine Konzentration von Wohncontainern am Standort Böttgerstraße am Ortsrand von Hackenbroich. Dort sollen zehn neue Wohn- und zwei neue Sanitärcontainer aufgestellt werden.

Im Gegenzug sollen Container am Bivetsweg in Gohr abgerissen (schon geschehen), Baracke und Haus in Horrem und in Rheinfeld aufgegeben werden. CDU und SPD halten dieses Vorgehen für "untragbar im Sinne einer vernünftigen Sozialpolitik", so Johannes Deußen (CDU).

Eine Ortsbesichtigung: Der Rhein-Kreis Neuss verabschiedet in verschiedenen Sprachen seine Einwohner und Besucher, auf der anderen Straßenseite weist das gelb-schwarze Schild "Köln" auf den Wechsel von Mittel- in Großstadt hin. Dort, am südlichsten Zipfel des Stadt- und Kreisgebietes, am Randkanal mit der Biogasanlage am anderen Ufer, steht eine Handvoll vergammelter Container auf einem ungepflegten Areal. Zufällig verirrt sich dort niemand hin.

Diejenigen, die dort auf dem ehemaligen Gelände der Kläranlage, neben dem Trainingsplatz des Hundesportvereins und dem Tierfriedhof tatsächlich hausen, sehnen sich auch nicht unbedingt nach häufigem Besuch. Drei Obdachlose leben derzeit dort. Nach Sprechen ist ihnen nicht zumute. Anders als Deussen, Vize-Bürgermeister Hans Sturm und Hermann Harig, alle CDU.

"Wir wollen hier keine Konzentration von Wohncontainern für Obdachlose", sagt Sturm. "Hackenbroich braucht einen Sozialausgleich." Für die CDU-Politiker ist es auch ein Versagen der Dormagener Sozialpolitik. Deußen: "Wir benötigen dringend ein ganzheitliches Sozialkonzept für Wohnen für Menschen mit geringem Einkommen." Dass das Klientel schwierig ist, wissen sie. "Die sind integrationsunwillig", so Deussen, "aber wir können sie doch nicht sich selbst überlassen!" Monika Lukat, die nebenan den Tierfriedhof betreibt, erzählt von Saufgelagen, obszönen Belästigungen, Ruhestörungen.

Für Sozialdezernent Gerd Trzeszkowski stellt sich daher auch die Frage, "wie und wo diese Menschen leben wollen". In dem städtischen Konzept mit der Konzentration der Standorte und dem Aufstellen neuer Container sieht er eine klare Verbesserung. Jo Deußen hingegen hält diesen Standort, inzwischen ein Dauer-Provisorium, für eine "Frechheit". Eine Kontrolle gleich welcher Art fände dort nicht statt. "So gut das Dormagener Modell ist, in diesem Bereich ist die Stadt in den Achtziger-Jahren stehen geblieben."

(NGZ/rl)