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Dormagen: Nachwuchspolitiker mit eigenem Kopf

Dormagen : Nachwuchspolitiker mit eigenem Kopf

Joline Macek (Jusos), Alana Schiffer (Junge Union) und Wayne Powils (Julis) stellen sich den Nachwuchssorgen der Parteien entgegen. Dabei setzen sie durchaus eigene Akzente – etwa beim Thema Gesamtschule.

Joline Macek (Jusos), Alana Schiffer (Junge Union) und Wayne Powils (Julis) stellen sich den Nachwuchssorgen der Parteien entgegen. Dabei setzen sie durchaus eigene Akzente — etwa beim Thema Gesamtschule.

Sie heißen Joline Macek, Alana Schiffer und Wayne Powils. Sie sind die Köpfe der politischen Jugendorganisationen in Dormagen. Und sie sind der Beweis, dass Politikverdrossenheit keine Generationenfrage ist. Alana Schiffer (22) zum Beispiel, die amtierende JU-Vorsitzende, stellt ihren Posten am 19. April nur deshalb zur Verfügung, weil sie sich stärker im Rat der Stadt Dormagen einbringen will. "Die JU war für mich eine Art Sprungbrett in die Ratspolitik", sagt Schiffer. Eine Einschätzung, bei der Joline Macek (33) und Wayne Powils (20) zustimmend nicken können.

Allerdings fällt auch in Dormagen auf, wie schwer die Nachwuchsgewinnung für die politischen Parteien geworden ist. Formal stellt die Junge Union mit rund 100 Mitgliedern die stärkste Organisation, "doch darunter sind auch viele Karteileichen", gibt Schiffer zu. Bei den Jusos von Joline Macek sind 70 Mitglieder geführt: "Doch wenn es gilt, sind letztlich immer dieselben Personen aktiv", sagt Macek. Wayne Powils weiß nur sieben weitere Julis — Jungliberale — hinter sich. "Doch wir sind aktiv und froh, dass die FDP in Dormagen überhaupt auf jugendpolitischer Ebene vertreten ist", sagt Powils. Er selbst ist durch die politische Arbeit derart angefixt, dass er sich nach seinem Studium sogar eine Berufspolitikerkarriere vorstellen kann.

Die Bündnisgrünen hingegen müssen im anstehenden Bundestagswahlkampf ohne Unterstützung des engagierten Nachwuchses auskommen — die Grüne Jugend in Dormagen ist nicht existent. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ingo Kolmorgen, begründet die Lücke mit einem typischen Problem grüner Politik: "Viele Jugendlichen wollen sich nur projektbezogen, etwa bei einem bestimmten Naturschutzprojekt, engagieren. Ein Parteibuch lassen sich nur die Wenigsten ans Bein binden. Da fehlt das grundsätzliche Interesse." Anfragen gebe es zwar, "die leiten wir dann an den Kreis weiter". Die Konsequenz: "Bei uns klebt der Chef die Plakate selbst."

Union, SPD und FDP können im heißen Herbst der Bundestagswahl hingegen auf die Dienste ihrer Jungpolitiker vertrauen — "wie werden sicherlich Präsenz zeigen, wenn die wichtige Phase des Wahlkampfes eingeläutet wird", verspricht Powils. Überhaupt definiert der Juli-Vorsitzende die Arbeit der Jungliberalen in Dormagen als "Unterstützung der Spitzenpolitiker aus Stadt, Land und Bund". Als Abhängigkeit will Powils diese Aufgabenbeschreibung aber nicht verstanden wissen: "Wir sind querulant genug, um eigene Akzente zu setzen." Etwa beim Streitthema Kunststoff-Laufbahn am Gymnasium Knechtsteden: "Das wäre verschenktes Geld. Wer Spitzensport will, findet in Dormagen beste Trainingsmöglichkeiten am Höhenberg."

Joline Macek — altersbedingt vielleicht am weitesten von der tatsächlichen Jugendpolitik weg — will künftig vor allem Akzente in der Familienpolitik setzen: "Die Betreuungsquote bei der U 3-Betreuung ist noch zu niedrig angesetzt — hier muss noch mehr passieren" Eine offenbar konsensfähige Position, die für JU-Chefin Schiffer keineswegs von der Aufgabe einer politischen Jugendorganisation wegführt. "Unsere Zielgruppe steht in zehn Jahren vor der Entscheidung Beruf oder Karriere. Wenn wir jetzt die Weichen stellen können, dann ist dies der richtige Ansatz."

Uneinigkeit herrscht hingegen bei der Frage nach einer zweiten Gesamtschule: Während Macek die Gründung begrüßen würde, sind Powils und Schiffer skeptisch: "Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass gemeinsames Lernen nicht zwingend erfolgsversprechend ist", sagt Schiffer. Angst vor Gegenwind in der eigenen Partei? "Tja, da muss ich jetzt eben durch."

Bleibt die Frage, wie viel junge Politik überhaupt den Weg in die entscheidenden Gremien finden. "Wichtig ist, den Weg in die Ausschüsse zu finden", sagt Schiffer. Wieder zustimmendes Nicken: "Hartnäckigkeit wird am Ende belohnt", sagt Powils. Zumal der Schritt von der Schulbank auf den Ratsstuhl zu groß sei: "Durch die Arbeit in der Jugendorganisation verschafft man sich das Netzwerk, was es braucht, um erfolgreiche Politik zu machen."

(NGZ/ac)