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Dormagen: Nachhilfe in der Ausbildung

Dormagen : Nachhilfe in der Ausbildung

Viele Jugendliche sind nicht reif für den Start ins Berufsleben. Das Starterprogramm des Chemieparkbetreibers Currenta kann wirkungsvoll Hilfestellung geben und auf die Lehre vorbereiten.

Immer mehr Ausbilder beklagen die mangelnde Reife der Ausbildungsanwärter. Nun ergab die Ausbildungsstudie der deutschen Industrie- und Handelkammern, dass mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen Nachhilfe geben. Auch Unternehmen in Dormagen gehören dazu.

20 Bewerbungen, 20 Absagen. Nachdem David Schröder die Realschule in Dormagen abgeschlossen hatte, sah die Welt erst mal nicht rosig aus. Bei fast jeder Absage hieß es: "Sie waren auf das Bewerbungsgespräch nicht genügend vorbereitet", erinnert er sich. Mit diesem Problem steht er nicht alleine da. Eine Online-Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) ergab, dass im vergangenen Jahr alleine 50 000 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, weil geeignete Bewerbungen fehlten. An der Umfrage nahmen rund 15 000 Unternehmen teil. Mangelnde schulische Kenntnisse, Motivationsprobleme, fehlende Leistungsbereitschaft.

Dr. Thilo Pahl von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht dort die größten Probleme auf dem Ausbildungsmarkt: "Inzwischen sind die Bewerber knapp, viele Ausbildungsstellen bleiben frei. Denn fast die Hälfte aller Betriebe ist unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft der Bewerber." Auch die Disziplin wird von 46 Prozent aller Unternehmen bemängelt. Das spricht Bände. Was Schule und Eltern in der Erziehung verpasst haben, versuchen Unternehmen nun vor und in der Ausbildung nachzuholen. "Immer mehr Unternehmen organisieren inzwischen Nachhilfe", erklärt Pahl. Zur Zeit, schätzt er, würde rund die Hälfte aller Betriebe Hilfe für ihre Auszubildenden anbieten. Die Ausbildungsstudie 2010 ergab, dass rund 20 Prozent der Betriebe sogar bereits vor Abschluss eines Ausbildungsvertrags mit der Nachhilfe beginnen.

"Du bist im Gespräch nicht fit." Den Satz hörte Schröder immer wieder. Auch nach der Bewerbung bei dem Chemiepark-Bereiber Currenta klang er Schröder wieder in den Ohren. Doch diesmal war es anders: Die Ausbilder von Currenta sahen Potenzial in ihm und boten ihm einen Platz im jährlichen Starthilfeprogramm. "Das Starthilfeprogramm von Currenta ist für junge Leute, bei denen sich herausstellt, dass es an Berufsperspektiven und Wissen fehlt", sagt Helmut Knoch, Leiter der Ausbildung. Damit die Lehre später nicht zum Frust wird, werden die Programmteilnehmer ein Jahr lang weitergebildet. Nachhilfeunterricht in Mathe, Deutsch, Elektrolehre und Betriebwirtschaftslehre stehen genauso auf dem Stundenplan, wie Werkstatt- und Laborarbeit. Heute fühlt er sich besser auf die Ausbildung vorbereitet. er hat einen Ausbildungsvertrag. Und vor allem Perspektive.

(NGZ)