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Nach Schicksalsschlag in Dormagen: Michaela Jonas ist zurück im Leben

Nach Schicksalsschlag in Dormagen : Michaela Jonas ist zurück im Leben

Nach einem schweren Schicksalsschlag blickt die ehemalige CiDo-Vorsitzende nun wieder nach vorne und widmet sich neuen Aufgaben. Bei der frisch gegründeten UWG ist sie die Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl.

Es war eine Überraschung, dass die UWG es geschafft hat, trotz der Corona-Krise in recht kurzer Zeit einen Stadtverband in Dormagen zu gründen und für die Kommunalwahl alle Wahlkreise zu besetzen. Eine noch größere Überraschung gab es bei der Besetzung der Reserveliste: Auf Platz eins steht Michaela Jonas. Die ehemalige Vorsitzende der Werbegemeinschaft City-Offensive Dormagen (CiDo) geht in die Politik. Nach einem großen Schicksalsschlag ist sie zurück im Leben.

Als der Gründer der Dormagener UWG und ein Freund der Familie, Markus Roßdeutscher, auf Jonas zukam und sie fragte, ob sie nicht aktiv in der Politik mitmachen möchte, öffnete sich für die 45-Jährige eine Tür: „Ich war direkt interessiert, habe mir aber Zeit genommen, gut über ein solches Engagement  nachzudenken. Ich habe  mich intensiv mit der UWG befasst und bin der Überzeugung, dass ich dorthin am besten passe.“ Wer Michaela Jonas in ihrer Zeit als CiDo-Vorsitzende kennengelernt hat, der ahnt, was von ihr als Kommunalpolitikerin zu erwarten ist: Engagement, Zuverlässigkeit, Fachwissen. „Die CiDo-Zeit ist für mich in gewisser Weise ein Schnupperkurs in Sachen lokaler Politik gewesen.“ In dieser Zeit lernte sie vom Bürgermeister über den Wirtschaftsförderer und den Leiter des Stadtmarketings bis hin zu vielen Stadtverordneten unterschiedlicher Parteien viele Entscheidungsträger kennen.

Wenn die UWG am 13. September mehr als zwei Prozent der Stimmen erhält, wird Jonas als Spitzenkandidatin sicher dem neuen Stadtrat angehören. Ihre Schwerpunktthemen kennt sie schon: „Finanzen, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing“, sagt die Steuerberaterin. Sie ist selbstbewusst: „Ich glaube, dass die Stadt von mir auch profitieren kann.“ Zurück ins Leben.

Der Freitag nächster Woche wird für Michaela Jonas ein schwerer Tag sein. Denn genau vor zwei Jahren hat sich ihr Ehemann Jürgen das Leben genommen. Er war nach dem Besuch eines Schützenfestes nicht mehr nach Hause gekommen und ist in den Rhein gegangen, wo er umkam. Zurück blieben eine fassungslose Ehefrau und zwei kleine Kinder. „Ich habe lange gebraucht, um meine Trauer zu verarbeiten.“ Trauer ist individuell, ohne Vorgaben, Regeln, Maßstäbe. In den folgenden Wochen nutzte Michaela Jonas das soziale Netzwerk Facebook als Ventil, um ihren Schmerz, ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung öffentlich zu machen. „Ich habe es so gemacht, wie es mir als Person gerecht geworden ist“, erklärt sie. „Man hält sich an allem fest, bei dem man denkt, es kann helfen.“ Freunde, Bekannte, aber auch Kontakte auf Facebook. „Auf Facebook war immer jemand da, wenn ich Trost oder ein Gespräch brauchte.“ Sie sei „wie in einem Tunnel“ gewesen. „Ich habe nur noch funktioniert und mich um die Kinder gekümmert.“

Es gibt DIE eine Frage, die sie sich hundertfach gestellt hat und auf die es keine Antwort gibt: Warum? „Ich kann nur spekulieren, denn etwas Rationales, Greifbares gibt es nicht. Vielleicht hatte Jürgen Depressionen oder eine Psychose. Ich weiß es einfach nicht. Die Suche danach ist für mich abgeschlossen.“ Jonas konnte und kann auf viele Hilfen zurückgreifen. Private, aber auch professionelle. Da waren Trauergruppen, die Familientherapeutin, der Verein für Trauerbegleitung speziell für Kinder und da war vor allem die Mitarbeiterin in einem Jugendamt, „der ich so viel verdanke. Sie hat mich ans Händchen genommen und einen Wahnsinns-Job gemacht.“  Den vielleicht wichtigsten Hinweis erhielt sie auf Facebook: „Ein Freund sagte mir: ,Du musst zum Rhein gehen’. Das habe ich auch gemacht und dann gespürt, dass die Verarbeitung angefangen hat.“

Heute geht es der 45-Jährigen gut, sagt sie. „Ich darf nicht immer nach hinten schauen, sondern das Positive sehen, das ich habe und das vor mir liegt.“ Natürlich ist noch eine Traurigkeit in ihr, gehen die Gedanken zurück an die Zeit, die sie mit ihrem Mann und gemeinsam mit den Kindern als Familie verbrachte. „Aber ich habe jetzt eine positive Grundhaltung.“ Diese führt sie jetzt auch in die Politik und mitten rein in den Wahlkampf. Ihr Credo: „Ich bin nicht auf Zank aus, die Wähler wollen, dass nicht gestritten, sondern angepackt wird. Ich möchte zuverlässig sein und in den nächsten Monaten etwas bewegen.“

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