Nach Kunst-Klau: Kunstwerke der Stadt Dormagen werden inventarisiert

Dormagener Kultur : Kunstwerke der Stadt werden katalogisiert

Reaktion auf verschwundene und zerstörte Kunst: Die städtischen Kunstwerke, inklusive Leihgaben, werden zurzeit inventarisiert.

Lachend geht Ellen Schönen-Hütten in die Knie und tätschelt dem „Klugscheißer“ vor dem Kulturhaus liebevoll die Wange. „Er gehört auch dazu“, weist die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur auf die Inventarliste hin, die zurzeit über Kunstwerke in und an städtischen Gebäuden erstellt wird. Und da tauchen auch die beiden „Klugscheißer“-Bronzeplastiken des 1931 in Dormagen geborenen Künstlers Siegfried Neuenhausen auf.

Seit Anfang März ist Kunst-Expertin Denise Trump im Auftrag der Stadt Dormagen dabei, sämtliche Kunstwerke zu erfassen, zu katalogisieren und wenn möglich sogar zu bewerten. Diese auf ein Jahr befristete „Beschäftigung einer kunstsachverständigen Person“ hatte der Kulturausschuss am 7. November 2018 beschlossen. Erstmals wird Trump dem städtischen Gremium in der Sitzung am 28. Mai für Fragen zur Verfügung stehen. „Sie hat schon sehr viel geschafft und Listen und Bestände aufgearbeitet“, sagt Fachbereichsleiterin Schönen-Hütten über die Expertin.

Anlass für die Katalogisierung war die Kunst-Negativserie vom Sommer 2018: Im August wurde entdeckt, dass zwei Bronze-Figuren an der ehemaligen Hauptschule verschwunden waren, Ende Mai wurde öffentlich, dass die Glasfenster des Dormagener Künstlers Otto Andreas Schreiber teilweise bei der Sanierung der BvA-Aula zerstört worden waren. Das hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld zum Anlass genommen, das Bewusstsein für die Wertigkeit der städtischen Kunstbestände zu erhöhen: „Im ersten Schritt soll die Verwaltung mit externer Hilfe bereits vorhandene umfangreiche Unterlagen über Kunst im Eigentum der Stadt Dormagen auswerten“, hatte Lierenfeld vorgeschlagen. Denn die letzte Bestandsliste über städtische Kunst wurde 2001 erstellt.

Inzwischen hat Denise Trump Werke aus dem Kunst-Lager im Erdgeschoss des Neuen Rathauses, in dem auch ein Hauptteil des Nachlasses von Theo Blum untergebracht ist, sowie die in den Rathaus-Zimmern hängenden Werke aufgelistet. „Dabei wird der genaue Standort aufgenommen und in die Datei übertragen, auch bei Leihgaben an Kindergärten und Schulen“, erläutert Schönen-Hütten.

Wie Kulturdezernentin Tanja Gaspers in der Beratungsvorlage für den Kulturausschuss erläutert, erfolgte im Vorfeld des Inventarisierungsprojektes neben einer ersten Sichtung und Reinigung des Lagers eine Ordnung der Bestände: „In Folge wurde ein Stellplatzsystem vergeben, welches künftig neben der übergeordneten Angabe des Raumes auch den konkreten Stellplatz ausweist. Des Weiteren wurde Archivmaterial für ein angemessenes Einpacken der Arbeiten angeschafft.“ Auch die klimatischen Bedingungen im Lagerraum sollen gemessen und wenn nötig verbessert werden, um eine nachhaltige Aufbewahrung zu gewährleisten. Bisher sind rund 120 Arbeiten inventarisiert – und wo möglich mit Angaben zu Erwerb und Wert versehen. „Als erstes Zwischenfazit ist zu konstatieren, dass sich Teile der Arbeiten in einem schlechten Zustand befinden. Auch die Rahmen sind in vielen Fällen beschädigt und Teile der Werke somit nicht präsentabel“, so Gaspers.

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