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Nach den Ferien: Schulen in Dormagen planen „Lernen mit Distanz“

Unterricht nach den Sommerferien : Dormagener Schulen planen „Lernen mit Distanz“

Von einem „normalen“ Regelbetrieb nach den Sommerferien gehen Schulen in Dormagen nicht aus. Sie planen Beeinträchtigungen durch das Coronavirus ein und versuchen, Schüler und Lehrer digital bestmöglich aufzustellen.

In 43 Tagen beginnt der Unterricht nach den Sommerferien, der, so plant es das NRW-Schulministerium, an den weiterführenden Schulen als Regelbetrieb stattfinden soll. Schulministerin Yvonne Gebauer formulierte es in einer Pressemitteilung in der vergangenen Woche so: „Wir wollen unseren Schülerinnen und Schülern eine neue schulische Normalität ermöglichen.“

Ob damit die Rückkehr zur Schule vor Corona, oder aber eine neue Normalität mit Corona gemeint ist, ist für viele Verantwortliche an den Dormagener Schulen unklar. Dort glaubt niemand so Recht daran, dass der Unterricht so aussehen könnte wie vor der Corona-Krise. Es herrscht schlichtweg Verunsicherung und die Einsicht, dass aus dem Düsseldorfer Ministerium nicht viel Hilfreiches, Handfestes kommt und man sich besser auf sich selbst und die eigene Kreativität verlässt.

Herbert Kremer, der am Donnerstag als Schulleiteiter des Leibniz-Gymnasiums in Hackenbroich in den Ruhestand verabschiedet wurde, aber noch bis Ende Juli offiziell im Dienst ist, nennt es eine „Alle-wären-da-Planung.“ Er und seine Kollegen sitzen jetzt an dem auch ohne Corona komplizierten Werk einer Unterrichtsverteilung von Klasse fünf bis zum Abiturjahrgang. Jetzt geht es aber auch um einen Plan B, denn „an einen ganz normalen Schulbetrieb nach den Ferien glaube ich nicht“. In irgendeiner Form werden Abstandsregel und Hygienevorschriften Bestand haben, meint der Pädagoge. Wie das alles funktionieren soll, weiß er noch nicht, vor allem wenn er an die Oberstufe denkt mit ihrem Kurssystem und daher permanent unterschiedlichen personellen Zusammensetzungen.

Die interaktive XXL-Tafel konnte BvA-Direktor Theodor Lindner bereits vor der Einführung testet. Foto: Klaus D. Schumilas schum

Das Schulministerium spricht vom „Präsenzunterricht als dem Regelfall“, schiebt aber gleich die Einschränkung hinterher, „sofern die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens dies zulässt.“ Am Leibniz wurde daher eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit Fragen nach den richtigen Lernplattformen oder der passenden Online-Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler befasst. Das Thema digitale Fortbildung für Lehrer ist bedeutsam und die sechswöchigen Ferien wären ideal. Aber es bleibt aktuell den Betroffenen selbst überlassen, wer was macht und ob überhaupt.

Sorgen macht man sich auch am Bettina-von-Arnim-Gymnasium. Dort heißt die Arbeitsgruppe „Lernen auf Distanz“, die auch in den Ferien weiterarbeiten wird und die Bedingungen und Möglichkeiten eines Fernunterrichts im nächsten Schuljahr in den Blick nimmt. „Heute“, sagt Schulleiter Theodor Lindner, „fehlt mir die Fantasie, wie ein Regelunterricht laufen soll“. In den letzten Wochen gab es in der Sekundarstufe 2 keine „Durchmischung“, wie es Lindner nennt. In der Q1 schon, die Räume wurden zwischendurch gesäubert. „Aber ein Vollbetrieb?“ rätselt der erfahrene Pädagoge. „Es fehlen schlichtweg die Raumkapazitäten.“

Der iPad-Koffer, der in jede Stunde mitgenommen werden kann. Foto: Klaus D. Schumilas schum

Genügend Lehrer wären wohl da, weil aufgrund eines recht jungen Kollegiums die Ausfallquote von gesundheitlich gefährdeten, älteren Kollegen recht gering wäre. „Wir analysieren jetzt die letzten Wochen, um zu entscheiden, mit welcher Struktur und Routine wir weitermachen.“ Für den stellvertretenden Schulleiter Thomas Vatheuer ist es entscheidend, dass die Voraussetzungen vorhanden sind, damit im neuen Schuljahr alle Schüler die gleichen technischen Möglichkeiten für ein mögliches Lernen auf Distanz haben. „Die Corona-Krise zeigt, wie dringend nötig dort ein Nachsteuern ist.“ Zwar habe die Schule bei den Eltern abgefragt, wie es zu Hause um die technische Ausstattung bestellt ist, „doch aus Scham bekommt man da womöglich auch nicht immer eine ehrliche Antwort“.

Immerhin: Im vom Schulausschuss initiierten Arbeitskreis Digitale Schule herrscht Einigkeit, dass die Beschaffung von einheitlichen Systemen für alle Schulen priorisiert wird.

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