1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Museum feiert neuen Emaille-Schmuck

Dormagen : Museum feiert neuen Emaille-Schmuck

Zwei Ausstellung im Kreismuseum setzen sich mit dem Werkstoff Emaille auseinander – und brechen mit Konventionen.

Zwei Ausstellung im Kreismuseum setzen sich mit dem Werkstoff Emaille auseinander — und brechen mit Konventionen.

Für Schmuckkünstler war Emaille in den vergangenen Jahrzehnten ein eher unbeliebter Werkstoff. Zu eng war der Schmelzüberzug für viele mit Hobbykursen verbunden. "30 Jahre sprach keiner über Emaille, jetzt ist es bei hochkarätigen Schmuckdesignern wieder in den Blick geraten", sagt Angelika Riemann, Leiterin des Kreismuseums. In zwei neuen Ausstellungen, die morgen im Kreismuseum eröffnet werden, zeigen 16 Künstler die jüngsten Entwicklungen.

Gleich 15 Schmuckkünstler aus dem In- und Ausland haben Werke zu der Schau "Formen- und Farbspiel" beigetragen. Die Britin Jacqueline Ryan ging bei der Herstellung ihrer Stücke an die Grenzen des Materials. Ryan ist mit einem Armreif vertreten, der aus zahlreichen Plättchen besteht — außen aus Gold, innen aus Emaille. In seiner Struktur erinnert das Werk an die Schuppen einer Echse. Der Niederländer Ralph Bakker erzeugt mit seinen Emaille-Ketten und Ansteckern Lichtreflexionen und setzt auf starke Farbkontraste. Während bei beiden Künstlern das grünlich schimmernde Emaille deutlich zu erkennen ist, macht es Jessica Turrell dem Betrachter mit schwarz-weißen Ansteckern schwerer. "Man kommt nicht auf die Idee, dass es sich dabei um Emaille handelt", sagt Riemann. Auf vielfache Weise würden die Künstler mit den figürlichen Traditionen des Emaille-Schmucks brechen.

Mit gängigen Kategorien hat auch Ulo Florack wenig gemein. Der Augsburger ist für die zweite Schau, "The Woodruff Key", verantwortlich. Es ist das erste Mal, dass Florack in einem Museum im Rheinland ausstellt. Bereits seit Mittwoch baut der Künstler seine Werke im Kreismuseum auf. Die dicken Wände der Landesburg der Kölner Erzbischöfe erinnern ihn an sein altes Haus in Augsburg, in dem viele seiner Schmuckstücke entstehen. An Emaille reizt ihn die spezielle Farbgebung. Doch die Arbeit mit dem Werkstoff habe auch Tücken. Im Ofen könnten wenige Sekunden darüber entscheiden, ob ein Stück gelingt oder zerstört wird. "Innerhalb jeder Serie gibt es immer auch ein Desaster", sagt der Autorenkünstler, dessen Arbeiten aufgrund des Einsatzes von Wachsformen immer Unikate sind. Viele von Floracks Arbeiten stellen rätselhaft-fantastische Figuren oder mythische Tiergestalten dar. Eine in Zons ausgestellte Serie besteht aus 116 Ringen. Betrachter bekommen Hinweise auf den Entstehungsprozess: So hat Florack die Ringe um persönliche Aufzeichnungen wie eine Materialliste ergänzt. Für eine andere Serie hat der Künstler Jahrhunderte altes Holz aus einem Kirchendach verwendet. 111 ausgesägte und mit Öl bemalte Darstellungen erzählen eine Geschichte. Welche, das müsse der Besucher selbst ergründen, sagt er. Beide Ausstellungen sind noch bis 30. Juni in Zons zu sehen. Bei ihnen handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Goldschmiedehaus Hanau.

(NGZ)