Dormagen: Mobbing-Opfer kann Schule nicht wechseln

Dormagen : Mobbing-Opfer kann Schule nicht wechseln

Der Dormagener Schüler Dennis L. (11) wird auf der Internetplattform SchülerVZ von einem Mitschüler der Realschule am Sportpark heftig bedroht. Mutter Carolin L. würde ihren Sohn gerne auf die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule schicken. "Dort", sagt sie, "hat er sein gesamtes soziales Umfeld."

Doch auf der Gesamtschule ist schlichtweg kein Platz. "Die Klassen sind bis zur Obergrenze gefüllt", sagte am Montag Schulleiter Volker Hansen gegenüber der NGZ. Insbesondere die fünften Klassen sind überbelegt. In den vergangenen Monaten seien über 50 Anfragen an der Schule eingegangen, so Hansen. Üblich sei eine Belegung von 27 bis 29 Schülern pro Klasse. Schon jetzt schöpfe die Schule die Obergrenze von 30 Schülern aus. "Mehr darf ich nicht", erklärte der Schulleiter.

Ob der Wechsel zum kommenden Schuljahr klappt, ist zudem fraglich. Hansen: "Wir haben 180 Plätze und hatten im vergangenen Jahr 320 Anmeldungen." Die Familie L. müsse nun auf das Prinzip Zufall setzen. Wenn eine Familie wegzieht, kann es vorkommen, dass ein Platz an der Gesamtschule frei wird. Doch dieser begehrte Platz wird ausgelost.

Auch bei der Bezirksregierung Düsseldorf — dort liegt der Fall Dennis derzeit zur Prüfung — kann man der Familie nur wenig Hoffnung machen. Einen Anspruch auf einen Platz gibt es laut Bernhard Hamacher, Sprecher der Bezirksregierung, nicht. Die Entscheidungsgewalt liege bei der Schulleitung. Und weiter: "Einen Grund für einen Wechsel sehen wir nicht." Die Klassenstärken seien zudem vorgeschrieben. Zunächst müsse eruiert werden, wie ernst die Morddrohung ist. Das müsse die Polizei beurteilen.

Carolin L. will sich damit nicht abfinden. "Das kann ich nicht akzeptieren", sagt die Mutter. Der Mitschüler hatte gedroht: "Morgen schlag ich dich, dass du im Krankenhaus liegst und stirbst." Dennis sitzt derzeit zu Hause und traut sich nicht, zur Schule zu gehen. Ein Arzt, der bei Dennis psychische Belastungen festgestellt hat, hatte ebenfalls zu einem Wechsel geraten. "Unser Arzt hat mir geraten: ,Setzen Sie alle Hebel in Bewegung'." Das werde sie machen.

Der Nachname der Familie wurde von der Redaktion entfernt.

(NGZ)
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