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Dormagen: Mitarbeiter sind verunsichert

Dormagen : Mitarbeiter sind verunsichert

Die Gerüchteküche brodelt: Möglicherweise wird Bayer Material Science (BMS) an einen arabischen Staatsfonds aus Abu Dhabi verkauft. BMS beschäftigt in Dormagen etwa 1100 Mitarbeiter.

Dormagen Die Gerüchteküche kocht mal wieder hoch. Und die rund 1200 Mitarbeiter von Bayer Material Science im Chempark Dormagen sind verunsichert. Seit Dienstag überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst hatte der Chef des arabischen Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC), Khadem Al Qubaisi, dem Branchendienst Chemical News & Intelligence mitgeteilt, dass sein Unternehmen BMS als einem von fünf Unternnehmen übernehmen wolle. Die Börse reagierte prompt: Die Bayer-Aktie legte um zwei Prozent zu.

Am Abend dann hörte sich die Meldung beim Branchendienst Bloomberg ganz anders an: Khadem Al Qubaisi sei am Morgen falsch verstanden worden: Er wolle die Bayer-Tochter nicht kaufen, sondern lediglich mit BMS eine gemeinsame Chemiefabrik in Abu Dhabi errichten. Dennoch halten sich weiter die Verkaufsgerüchte. Doch Bayer wiegelt ab. Bayer-Sprecher Christian Hartel am Mittwoch auf Anfrage gegenüber der NGZ: "Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht." Zitiert wird auch immer wieder die Aussage des Bayer-Vorstandsvorsitzendem Werner Wenning. Er hatte im März gesagt: "Bayer Material Science gehört zum Konzern, wir denken langfristig." Zuletzt hatte die Kunststoff-Tochter herbe Verluste eingefahren.

Auf der anderen Seite hat Wenning angekündigt, die Pharmatochter des Konzern deutlich stärken zu wollen. Das, so Analysten, gehe aber nur, wenn die Kunststoff-Aktivitäten verkauft werden. Sie glauben, dass der designierte Bayer-Chef Marijn Dekkers sich möglicherweise nicht mehr den Traditionen des Konzern verpflichtet fühlt und einem Verkauf der Kunststoff-Tochter möglicherweise positiv gegenüber stehen könnte.

Für Karl-Josef Ellrich, Dormagener Betriebsratsvorsitzender und Bayer-Aufsichtsratsmitglied, ist es "zurzeit nicht denkbar, dass BMS verkauft wird". Ellrich gegenüber der NGZ: "Es mag sein, dass es Kaufabsichten gibt. Verkaufsabsichten sind mir nicht bekannt." Wenn es dennoch so käme, hätte das unter Umständen große Auswirkungen auf Dormagen: "Wer weiß, ob die geplante TDI-Anlage dann noch gebaut wird", so Ellrich

Insider sehen Anzeichen, dass BMS bereits seit längerer Zeit auf einen Verkauf vorbereitet wird. So habe das Unternehmen vor zwei Jahren trotz eines Rekordgewinns einen strikten Sparkurs gefahren. Zehn Prozent der weltweit insgesamt 15 000 Arbeitsplätze seien gestrichen worden. In Belgien sollen angeblich trotz bestehender Tarifverträge und trotz Gewinns im vergangenen Jahr die Löhne um zehn Prozent gesenkt werden. Ende August hat das Unternehmen ankündigt, sein Forschungslabor im Chempark Krefeld mit 130 Mitarbeitern auflösen zu wollen. Das Unternehmen schlank machen für den Verkauf? Einige Analysten sehen es offenbar so.

Sollte es zu einem Verkauf kommen, so sehen die Gegener der fast fertigen Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen den Chemparks in Dormagen und Krefeld-Uerdingen neue Gefahren aufziehen. So die Frage, wer dann konkret für die Pipeline verantwortlich sei. Wolfgang Cüppers, Vorsitzender der Initiative gegen die Pipeline in Erkrath: "Ein Verkauf würde mich nicht überraschen. Das Verhalten beim Bau der Pipeline steht im krassem Gegensatz zu sonstigem Bayer-Vorgehen. Man will die Pipeline unbedingt noch vorher durchbringen." Viele Stimmen, einige Gerüchte — für die Mitarbeiter bleibt Unsicherheit.

Zur Sache Gerüchte

(RP)