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Mit Schild: Bauer wehrt sich gegen Mohnfeld-Zerstörung in Delhoven

In Delhoven : Selfie-Fotografen zertrampeln Mohnfeld

Gegen Vandalen und Selfie-Fotografen, die das schön blühende Mohnfeld am Tannenbusch niedergetrampelt haben, wendet sich die Landwirts-Familie Braun. Doch auch das Schild mit der freundlichen Bitte um Rücksicht zeigt wenig Wirkung.

Wunderschön sehen die roten Mohnblüten aus, die zu Hunderten das Feld direkt am Eingang zum Tannenbusch schmücken. Kein Wunder, dass sie Hobby- und Selfie-Fotografen anziehen, die die rote Pracht vor dunkelgrünem Tannenbusch ablichten wollen. Dass einige von ihnen sich jedoch rücksichtslos mitten ins Mohnfeld „reinpflügen“, um ein Foto zu machen, findet nicht nur Roswitha Braun „sehr ärgerlich und traurig“. Denn ihrer Familie gehört das Mohnfeld, das nicht nur zur Zierde betrieben wird, sondern um den Lebensunterhalt der Landwirtsfamilie von Hubert Braun mit zu erwirtschaften.

„Der Schaden ist groß, nicht nur auf diesem Feld“, berichtet die Landwirtin. Denn durch die niedergetrampelten Pflanzen können weniger Mohnsamen geerntet werden, die an ein Saatgut-Unternehmen in Bayern geschickt werden, der der Vertragspartner der Brauns ist. „Wir ärgern uns jeden Tag über Zerstörungen auf unseren Feldern“, berichtet Roswitha Braun von ihren Erfahrungen mit achtlosen und zum Teil auch egoistischen Menschen: „Viele glauben, die Felder gehören ihnen.“ Und dabei stecken die Landwirte viel Geld und Arbeit in die von Spaziergängern oft als „einfache Wiese“ wahrgenommenen Felder: So hat ihr Sohn auf einem Margaritenfeld, das per Hand von Unkraut befreit werden muss, eine Gruppe angetroffen, die sich seelenruhig in den Blumen wälzte und Kränze flocht. Der nahende Bauer störte sie dabei nicht.

Das fehlende Verständnis für die Landwirte und die zunehmende Ich-Bezogenheit der Passanten lässt Roswitha Braun und ihre Familie fast verzweifeln: „Ich weiß nicht mehr, was wir noch tun sollen, um zu verhindern, dass Menschen in unsere Felder rennen“, weist sie darauf hin, dass einige sich absichtlich in die Blumen „werfen“. Da half auch das freundlich formulierte Schild nicht, mit dem die Familie Braun am Anfang ihres Mohnfeldes am Tannenbusch um Respekt und Rücksicht bittet: „Bitte die Mohnfläche nicht noch mehr verwüsten!“ Es zeigte wenig Wirkung, schlimmer noch: „Es wurde noch mehr zerstört.“

Dabei versteht sie den Drang der Fotografen durchaus, allerdings nicht die Ausmaße der Selfie-Posterei auf Instagram oder Facebook: „Man kann doch auch am Rand des Feldes schöne Fotos machen. Muss man dafür mitten in die Pflanzen steigen?“ So appelliert sie an die Passanten, „bitte vom Feld wegzubleiben“.

Seit etwa acht Jahren pflanzen die Brauns aussterbende Wildblumen an, die starken Kontrollen unterliegen: Sie dürfen nicht aus Gärtnereien stammen und müssen in der Region vorkommen wie Spitzwegerich oder Schafsgarbe. „Alle engagieren sich jetzt für den Umweltschutz – und hier trampeln sie drauf rum“, sagt die Delhovener Landwirtin traurig. Als ihre Familie auf brach liegenden Grundstücken in Rommerskirchen Wildblumen angebaut hatte, gab es eine gute Resonanz der Bevölkerung: „Das kam richtig gut an“, sagt Roswitha Braun, die hofft, dass ein Umdenken stattfindet: „Ein bisschen Rücksicht hilft auch der Natur.“