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Dormagen: Mit Lamas spazieren gehen als Therapie

Dormagen : Mit Lamas spazieren gehen als Therapie

Fünf Mädchen der Helen-Keller-Gruppe des Jugendhilfezentrums arbeiten auch mit Tieren: Sie gehen mit drei Lamas und zwei Kamelen auf dem Raphaelshaus-Gelände spazieren, im Sommer gehen sie auch bis zum Rhein nach Zons.

Ungläubiges Staunen breitet sich auf den Gesichtern der Autofahrer aus, als sie an der Pferdekoppel des Raphaelshaus vorbeifahrend auf einmal Kamele sehen. Doch die Karawane zieh nicht durch die Wüste, sondern mitten durch Dormagen. Auf dem Gelände des Jugendhilfezentrums leben zwei Kamele und fünf Lamas, die alle zwei Wochen von den Mädchen der Helen-Keller-Gruppe unter Aufsicht von Tierpädagogen und Tierpfleger durch das weitläufige Areal oder über Feldwege bis zum Rhein nach Zons geführt werden.

"Es macht total viel Spaß, auf das Lama einzugehen, es ist toll einem Tier so nah zu sein", sagt Jill. Die 17-Jährige führt Lizzi am Zügel und sagt: "Das hat man nicht jeden Tag, dass man mit Lamas und Kamelen zu tun hat." Das weiße Lama scheint ihr recht zu geben und trabt friedlich hinter der Schülerin her. Das war nicht immer so. "Am Anfang war sie bockig und zickig, doch dann haben wir uns aneinander gewöhnt", erklärt Jill.

Genau so sollen die Nachmittagsstunden mit den Tieren auch wirken. "Die Mädchen lernen im Umgang mit den Tieren Verantwortungsbewusstsein, soziales Verhalten in der ganzen Gruppe und gehen auf die Lebewesen ein", erläutert Dorothea Rothkötter, Bereichsleiterin des Raphaelshauses. Dabei gehe es aber nicht nur um den aufbauenden Spaziergang, sondern auch darum, die Tiere zu pflegen und zu versorgen. Unterstützt werden sie von Pferdewirtschaftsmeister Clemens Meyer und Tierpädagogin Marie-Theres Scholten, die erklärt, dass es auf den gezielten Einsatz von Tieren als heilpädagogische Katalysatoren ankommt: "Hunde, Pferde und Lamas gehen unbelastet auf die Kinder zu, die ihnen schnell Vertrauen entgegenbringen und sich von ihnen geschätzt fühlen." Auch aggressive oder traurige Kinder fühlen sich nach einer Stunde bei den Tieren ausgeglichener.

"Die Lamas haben schöne lange Wimpern", erklärt Madeleine, die zunächst Angst hatte, sich auf das große Kamel Dunja zu setzen — doch mit ein bisschen Hilfe dann strahlend auf dem Sattel Platz nimmt: "Hier oben wackelt es ganz schön", weist Madeleine auf den schaukelnden Gang der Wüstenschiffe hin.

Immer bei den Lama-Kamel-Ausflügen mit dabei sind Bernadette Breitinger-Nix, die Leiterin der Helen-Keller-Gruppe, und ihre vierjährige Hündin Milla, die als Welpe bereits mit in die Jugendhilfegruppe gekommen war. "Die Mädchen haben in der Schule gelernt, welche Pflanzen giftig für die Tiere sind, jetzt gucken sie, dass die Lamas nichts fressen, was ihnen schlecht bekommt", erklärt die Gruppenleiterin, wie Theorie und Praxis miteinander verbunden werden.

Während die Kamele Dunja und Ninja abgesattelt werden, bringen drei andere Mädchen die Lama-Damen Paula, Lizzi und Surprise auf ihr Gelände, wo sie auf ihre Lama-Männer Nesquick und Joey treffen, die gar nicht begeistert davon waren, dass sie zurückgelassen wurden — eine sehr menschliche Reaktion.

(NGZ)